Xandria, Seven Spires und Secret Rule bringen das Frankfurter bett zum Leuchten
Wie hell kann eine Finsternis sein? Die Antwort liefern Xandria an diesem Montagabend mit einem Album im Gepäck, das die Verdunkelung schon im Titel trägt: „Eclipse“. Am 19. Oktober 2026 macht die „Eclipse Europe Tour 2026“ der Symphonic-Metal-Band aus Bielefeld Station im Musik Club bett Frankfurt. Zwei Supportbands mit weiter Anreise sind dabei: Secret Rule aus Italien und Seven Spires aus Boston. Der Club ist fast ausverkauft, als die Italiener um 19:30 Uhr den Abend eröffnen.
Das Quartett um Sängerin Angela Di Vincenzo und Gitarrist Andy Menario hat einige eigene Fans mit nach Frankfurt gebracht, und so herrscht vom Opener „Walking Down the Street“ an Stimmung im Haus. Mit „Silent Pain“ und „Collapse“ folgen zwei weitere Stücke vom zehnten Studioalbum „X“ aus dem Jahr 2025. Dann eine Premiere: Die Ende September erschienene Single „Someone Killed The Pope“ ist erstmals live zu hören. „Edge of Control“, die erste Auskopplung aus dem kommenden elften Album, feiert das Publikum mit rhythmischem Klatschen. Nach „Echoes of the Earth“ wartet zum Schluss eine Besonderheit. Zu „Trip Into My Hell“ filmen die Italiener an diesem Abend das offizielle Video, ebenfalls ein Vorbote der nächsten Platte. Nach einer halben Stunde räumen sie die Bühne.
Traurige Songs für gute Stimmung – so beschreiben Seven Spires selbst, was sie nach Frankfurt mitgebracht haben. Sängerin Adrienne Cowan stellt die Formation als nordamerikanische Band vor. Nach dem eingespielten Intro spielt das Quartett vier Stücke vom aktuellen Album „A Fortress Called Home“ (2024) sowie „Succumb“ vom älteren „Emerald Seas“. Im Zentrum steht Cowans Stimme. Mühelos wechselt sie vom opernhaften Klargesang zu tiefen, rauen Growls und weiter bis zum hohen Kreischen, bei den Growls unterstützt von Bassist Peter de Reyna. Man ahnt, warum Tobias Sammet sie seit 2019 als Tourvokalistin zu Avantasia holt. Die gesamte Band strahlt große Energie aus, und neben der Frontfrau überzeugt vor allem Gitarrist Jack Kosto mit schnellen, präzisen Läufen über das Griffbrett. Als Cowan „Love’s Souvenir“ als vorletzten Song ankündigt, quittiert das Publikum das mit einem langgezogenen, traurigen „Ohhh“. Sie kontert trocken: Zum Glück seien die Songs der Band lang. Nach „Wanderer’s Prayer“ setzt „Gods of Debauchery“ kurz vor 21 Uhr den Schlusspunkt.
Um 21:20 Uhr läuft das Intro „Syzygy“ vom Band, dann stürmen Xandria die Bühne. Mit dem Titelstück „Eclipse“ machen die vier vom ersten Takt an Druck, „Colours“ legt nach. Einen Keyboarder gibt es nicht, die Klavierparts werden eingespielt. Schon an dritter Stelle zündet mit „Ravenheart“ der Hit vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 2004, und die Menge singt lauthals mit. Die Tour trägt ihren Namen zu Recht. Sechs der elf Songs im Hauptset stammen vom neuen Album, darunter die erste Single „The Shannon’s Home“, „The Grand Delusion“, „The Last Generation“ und „Northstar“. Laut Bandchef Marco Heubaum ist die Band auf „Eclipse“ so deutlich politisch wie nie zuvor, die Platte versteht sich als Plädoyer für Vernunft, Empathie und Demokratie. Dazwischen streuen Xandria ältere Stücke wie „Forevermore“, dazu „Two Worlds“ und „Reborn“ von „The Wonders Still Awaiting“, mit dem die Band 2023 ihren Neustart mit Sängerin Ambre Vourvahis feierte.
Vourvahis zeigt eine facettenreiche Stimme, die von lyrischen, opernhaften Passagen bis zu harten Growls reicht. Zusammen mit opulenten Arrangements, wuchtigen Gitarren und mitreißenden Hymnen entsteht ein Sound, in dem Emotion und rohe Energie miteinander verschmelzen. Bassist und Gitarrist scherzen zwischendurch immer wieder miteinander und tanzen, die beiden haben sichtlich Spaß auf der Bühne. Vor allem die Soli sorgen dafür, dass die Stücke abwechslungsreich bleiben. Zur Zugabe kehren Xandria mit „Valentine“ zurück, bevor „Nightfall“ nach 75 Minuten den Abend beschließt.
Die Supportbands stehen an diesem Abend dem Headliner in keiner Weise nach. Secret Rule bringen gleich zwei neue Songs mit und machen den Frankfurter Club zur Kulisse ihres nächsten Musikvideos. Seven Spires beweisen, dass melancholische Lieder und gute Stimmung sich nicht ausschließen, wobei Adrienne Cowans Stimmumfang und Jack Kostos Gitarrenläufe zu den Höhepunkten zählen. Xandria setzen konsequent auf ihr neues Album, und dank Vourvahis’ wandlungsfähiger Stimme tragen die „Eclipse“-Stücke auch live. Ein fast ausverkauftes bett, das vom ersten Ton an mitgeht, mitklatscht und mitsingt: So bringt man einen Club zum Leuchten.