Warren Zeiders in Frankfurt: Country im Herzen, Rock im Blut

Warren Zeiders in Frankfurt: Country im Herzen, Rock im Blut

Die Batschkapp ist am 27. Oktober fast ausverkauft. Man munkelt, es sind gerade einmal 20 Tickets übrig, selbst die Tribüne ist voll besetzt. Hier und da blitzen Cowboyhüte auf, einige Besucher haben sich passend zum Abend im Country-Look gekleidet. Doch was an diesem Abend wirklich auffällt, ist nicht die Kleidung, sondern die Begeisterung. Die Fans sind bereit, sie kennen die Musik und freuen sich darauf, Warren Zeiders live zu erleben.
Um 19 Uhr eröffnet Bellah Mae den Abend. Die britische Sängerin steht gemeinsam mit ihrem Gitarristen auf der Bühne und spielt rund eine halbe Stunde lang ein Akustik-Set. Mit ihrer warmen Stimme und ihrer sympathischen Ausstrahlung findet sie schnell Zugang zum Publikum. Ganz in Weiß steht sie auf der Bühne und bringt ihre Songs mit einer lockeren, natürlichen Art sehr überzeugend rüber.
Die Fans sind auch bei ihr schon dabei. Bei einigen Liedern wird mitgesungen, und die Country-Stimmung stellt sich nicht erst mit dem Hauptact ein. Bellah Mae schafft es, das Publikum auf den Abend einzustimmen und die Vorfreude auf Warren Zeiders weiter wachsen zu lassen. Ihr Auftritt ist damit mehr als bloßes Vorprogramm: Sie bringt die Halle in Schwung und legt einen passenden musikalischen Grundstein für das, was noch kommt.

In der Pause dann wird die Bühne für den Hauptact vorbereitet, und aus den Lautsprechern läuft Musik vom Band. Doch von einer stillen Wartezeit kann keine Rede sein. Die Fans sind längst in Stimmung und singen bei den bekannten Songs laut mit.  Die Halle ist in Bewegung und die Stimmung steigt, noch bevor Warren Zeiders überhaupt die Bühne betritt. Als „Rockstar“ von Nickelback läuft, passt die Zeile über den Wunsch, ein großer Rockstar zu sein, bestens und schon wird es dunkel,  die Atmosphäre verändert sich. Motorengeräusche heulen auf, Sirenen mischen sich in den Sound, und das Intro baut Spannung auf. Auf der Bühne leuchten zahlreiche Neonröhren zunächst in Grün. Der Aufbau mit Schlagzeug und Keyboard auf einer erhöhten zweiten Ebene wirkt markant und erinnert mit seinen Formen ein wenig an die Front eines Autos. Zusammen mit den Geräuschen aus dem Intro entsteht der Eindruck, als würde die Show mit ordentlich Drehzahl starten.
Die Musiker kommen auf die Bühne nur im Gegenlicht, und als Warren Zeiders mit Schlangenleder-Cowboystiefeln, Sonnenbrille und Cowboyhut auf der Bühne erscheint ist die Batschkapp sofort da. Das Publikum in den ersten Reichen der hessischen Metropole muss nicht erst überzeugt werden: Die Fans  jubeln und gehen von Anfang an mit und feiern die energiegeladene Fusion aus Country-Gefühl und Rock-Attitüde.

Musikalisch ist das eine Mischung, die richtig Spaß macht. Zeiders verbindet Country mit einer kräftigen Portion Rock. Die Gitarren geben Druck, das Schlagzeug treibt die Songs nach vorne, und das Keyboard ergänzt den Sound. Seine Stimme bleibt klar und präsent, ohne übermäßig rau oder kratzig zu klingen. Das Ergebnis ist ein kraftvoller Livesound, bei dem die Country-Wurzeln erhalten bleiben, die Musik aber ordentlich rockt.Warren ist als Solokünstler der Frontmann des Abends, doch seine Band ist weit mehr als bloße Begleitung. Die Musiker geben den Songs Fundament und prägen den Sound entscheidend mit. Zeiders bezieht sie sichtbar in den Auftritt ein: Immer wieder geht er zum Schlagzeuger, wendet sich dem Keyboarder zu oder bleibt bei anderen Bandmitgliedern stehen, während er weitersingt. Er nutzt die verschiedenen Ebenen der Bühne und bleibt selten lange an derselben Stelle. Hier steht nicht einfach ein Sänger vor einer Band, die im Hintergrund ihre Arbeit erledigt. Die Musiker spielen zusammen, und genau das macht den Auftritt so lebendig.
Schon in den ersten drei Songs im Fotograben zeigt sich, wie sehr Warren Zeiders die Nähe zu seinem Publikum sucht. Immer wieder steigt er auf die Boxen am Bühnenrand, kommt den Fans entgegen und animiert sie zum Mitsingen. Die Reaktion lässt nicht auf sich warten. Die Texte sitzen, die Refrains kommen laut aus der Menge, die Batschkapp feiert lautstark mit.

Bei „Days of My Life“ nimmt Zeiders Hut und Sonnenbrille ab. Er fährt sich immer wieder durch die schulterlangen Haare und zupft an seinem Shirt. Aus dem Publikum kommen prompt Rufe: „Take off your shirt!“ Die Fans lassen keine Gelegenheit aus, ihrem Star ihre Begeisterung zu zeigen. Zeiders bleibt gelassen und macht weiter, während die Reaktionen aus der Menge für zusätzliche Unterhaltung sorgen. Bei seinem Mega-Hit „Pretty Little Poison“, den die Halle fast im Alleingang singt, ist Gänsehaut angesagt
Am vorderen Bühnenrand stehen außerdem mehrere Mikrofone, die in Richtung Publikum ausgerichtet sind. Welche technische Funktion sie genau erfüllen, lässt sich von außen nicht sagen. Zum Gesamtbild passen sie aber: Bei dieser Show sind die Stimmen der Fans und ihre Beteiligung deutlich zu hören und bei „Sin So Sweet“ zeigt sich erneut, wie textsicher das Publikum ist. Die Songs sind vielen vertraut, und die Fans singen nicht nur einzelne Refrains mit. Sie sind hörbar bei der Sache und machen den Abend zu einem gemeinsamen Erlebnis. Auch die Lichtshow hält mit der Energie des Auftritts Schritt. Das anfängliche Blau weicht wärmeren Rot- und Gelbtönen. Scheinwerfer reichen bis ins Publikum, Nebel zieht über die Bühne, und die Neonröhren setzen immer wieder neue Akzente. Die Bühne verändert ihre Wirkung, während die Musik und das Publikum den Abend weiter antreiben.
Zwischendurch bedankt sich Zeiders bei seinen Fans für ihre Unterstützung und Treue. Er spricht auch über die beeindruckenden Zahlen, die seine Musik inzwischen erreicht. Einer der eindrücklichsten Momente des Abends passiert bei „Relapse“. Warren Zeiders verlässt die Bühne und läuft singend mitten durch das Publikum. Dicht gefolgt von einem Kameramann.  Ringsum schnellen die Handys in die Höhe. Jeder versucht, Warren vor die Linse zu bekommen, ein Foto zu machen oder wenigstens ein paar Sekunden Video einzufangen. Für einen Moment ist die ganze Halle in Bewegung. Die Begeisterung ist greifbar, und man merkt, wie viel den Fans dieser direkte Kontakt bedeutet.

Auch Bellah Mae, die den Abend eröffnet hat, kommt zurück auf die Bühne und singt gemeinsam mit Warren Zeiders „Overrated“. Das Duett wird vom Publikum begeistert aufgenommen. Ihre Stimmen ergänzen sich, und es ist schön, die Sängerin nach ihrem Akustik-Set noch einmal im Hauptprogramm zu erleben. Sie ist damit nicht nur für einen gelungenen Einstieg verantwortlich, sondern setzt auch später einen eigenen Akzent. Dass die Chemie zwischen dem Gesangs-Duo stimmt ist außerdem offensichtlich.

Mit „Ride the Lightning“ hebt Warren Zeiders zum letzten großen Knall des Abends an. Der Song, der seinen Weg nach oben entscheidend geprägt hat, bekommt in der Batschkapp seinen ganz eigenen Moment. Die Energie in der Halle ist noch einmal auf einem Höhepunkt. Warren steht mit freiem Oberkörper und Akustikgitarre auf der Bühne, während die Fans jede Zeile aufsaugen und die Stimmung ein letztes Mal richtig hochkocht.
Dann dieser Blitz: Zum Abschied greift Warren noch einmal zum Mikrofon und sagt: „I’m Warren Zeiders!“ Ein kurzer, selbstbewusster Moment, bevor er zum endgültigen Abschiedsbild ansetzt: Er hebt den blitzförmigen Mikrofonständer in die Luft. An seiner Kette trägt er den Abend über ebenfalls einen Blitzanhänger – ein Detail, das nach diesem letzten Song besonders ins Auge fällt. Es ist ein Abschluss, der hängen bleibt: laut, emotional und voller Energie. Keine Zugabe, kein weiteres Lied – „Ride the Lightning“ ist der letzte Ton, mit dem Warren Zeiders Frankfurt zurücklässt. Nach rund anderthalb Stunden bleibt eine Halle voller begeisterter Fans und das Gefühl, einen Künstler erlebt zu haben, der Country im Herzen trägt, aber auf der Bühne die Kraft des Rock entfesselt.

Silke Kemmer

Redakteurin und Fotografin