Über zwei Stunden Rebellion: The SoapGirls rocken das Steinbruch Theater Mühltal

Über zwei Stunden Rebellion: The SoapGirls rocken das Steinbruch Theater Mühltal
The SoapGirls - 10.10.2026 Steinbruch Theater Mühltal

Anderthalb Stunden nach Einlass stehen The SoapGirls endlich auf der Bühne, und das Steinbruch Theater Mühltal nimmt ihnen das Warten keine Sekunde krumm. Exakt ein Jahr nach der „Wild at Heart Tour” 2025 (wir berichteten) kehren Noemie „Mie” und Camille „Mille” Debray am 10. Oktober 2026 in die Kultstätte zurück, diesmal mit der „Rebel DNA Tour” im Gepäck. Einen Support-Act gibt es nicht, der Abend gehört allein den Schwestern. Das fünfte Album „Rebel DNA” ist für Ende 2026 angekündigt, als ungezähmtes Werk, das Pop-Melodien und rohen, aggressiven Punk-Rock gegeneinander antreten lässt und emotionale Verletzlichkeit mit kompromissloser Live-Energie verbindet.

Mit Anbruch der Dunkelheit füllt sich der Raum. Am Eingang wartet der Merchandise-Stand, am FoH vorbei geht es auf die Tanzfläche vor die kleine Bühne. Das Publikum ist überschaubar, aber es steht vorn und wartet. Um 20:25 Uhr geht es los: „Society’s Reject” eröffnet den Abend, die Schwestern steigen ohne Anlauf in die Rebellion ein. „Wasted” und „Johnny Rotten” folgen dicht, danach „Running”, der neue Song aus dem kommenden Album. Mille zeigt dabei immer wieder ihre Gelenkigkeit und spielt ihren Bass auch mal in der Brücke, während Mie fröhlich über die Bühne hüpft.

Bei „Rise Above” wird es persönlich. Noemie widmet den Song allen, die sich nicht von ihren Umständen limitieren lassen, in die sie hineingeboren wurden. Mille erzählt, wie man der Angst vor den eigenen Träumen begegnet und für seine Ziele kämpft. Den beiden wurde oft gesagt, ihre Musik sei brotlos. Zum Glück haben sie nicht darauf gehört und verzaubern das Steinbruch Theater mit ihrer unbändigen Energie.

Nach „Reaper” folgt „In My Skin”, eine Ode ans Wohlfühlen im eigenen Körper. Die Botschaft trifft den Nerv der Zeit: Trotz allen technischen Fortschritts werden Kriege geführt, Frauen in Rollenbilder gedrängt und Menschen gedemütigt. Die Schwestern fordern, sich von diesen Fesseln zu lösen und laut zu widersprechen. Mie setzt dazu ein Zeichen der Emanzipation und zieht ihr Oberteil aus. Das Wechselbad nimmt seinen Lauf und nach den nachdenklichen Worten folgt wieder Ausgelassenheit. Rockige Riffs und ein treibender Bass lassen kaum jemanden stillstehen, die Menge tanzt, und Mille nimmt ein Bad darin, singt inmitten mit den Fans. Nicht alle kommen so schnell mit: Manche stehen schüchtern, überrascht und fast regungslos da, als hätten The SoapGirls sie überrumpelt.

Über „Demons”, „God of War”, „Enemy” und „Devil” nimmt das Konzert Fahrt auf. Immer wieder ruft Mille „Long Live Freedom, Long Live Rock ’n’ Roll” in den Raum, ihr Ausspruch gegen Polarisierung und Machtmissbrauch. Jedes Mal schlagen die SoapGirls danach in die Saiten, und der Punk ist zurück. Mille ist erneut angeschlagen. Trotz oder gerade wegen ihrer Erkältung bilden die Growls der Sängerin am Bass eine harmonische Abwechslung zum Klargesang der beiden. Die Menge wächst zusammen und die Songs treiben die Fans weiter an, bis irgendwann ein Moshpit tobt.

„Psycho” holt das Publikum zum rhythmischen Klatschen im Takt der Gitarre, der Moshpit geht weiter. „Closer” kommt hart und schnell. Die Zugabe beginnt mit „She Don’t Wanna”, es folgen „Drown” und „Blood & Bones”, gewidmet der Energie im Steinbruch Theater. Mit „Breathe” endet nach fast zwei Stunden der erste Teil des Abends. Es ist die letzte Show der Band in Europa, bevor die Schwestern über den Atlantik in die USA aufbrechen.

Doch sie kommen zurück. Zu „Bad Bitch” holen The SoapGirls einen Fan auf die Bühne, der gegen Tumore kämpft, und spielen den Song für ihn. Dann dürfen auch andere Fans mit nach oben. Es wird noch einmal emotional bei „Heart in Bloom”, den Schlusspunkt setzt „Dirty Song”. Nach insgesamt gut zwei Stunden, kurz nach 22:30 Uhr, ist von Müdigkeit bei Mie und Mille keine Spur zu sehen. Wer danach noch Energie hat, trifft die beiden am Merch-Stand für ein Gespräch oder ein Foto, oder tanzt sich auf der Tanzfläche weiter aus.

The SoapGirls bedanken sich am Ende immer wieder für die Energie des Publikums und liefern selbst ebenso viel zurück. Das Steinbruch Theater gibt, die Schwestern geben mehr, und wer in Mühltal dabei war, hat erlebt, wie Rebellion zwischen Bühne und Tanzfläche hin- und herspringt.

Andreas Schieler

Leitung, Redakteur und Fotograf