Mongolischer Hunnu-Rock trifft auf pure Live-Energie, The HU im Palladium, Köln

Mongolischer Hunnu-Rock trifft auf pure Live-Energie, The HU im Palladium, Köln

Wenn traditionelle mongolische Klänge auf wuchtige Gitarrenriffs und kraftvollen Kehlkopfgesang treffen, entsteht ein Sound, der sich nur schwer mit anderen Bands vergleichen lässt. The HU haben mit ihrem selbst geprägten Begriff „Hunnu-Rock“ längst eine riesige internationale Fangemeinde aufgebaut. Am 22. Oktober machten die Musiker aus der Mongolei mit ihrer „Warrior Chant Tour“ Halt im Palladium Köln, veranstaltet von prime entertainment – und zeigten eindrucksvoll, wie kraftvoll Tradition und Moderne miteinander verschmelzen können.

Den Abend eröffnete die französische Folklore-Band Skáld, deren Musik tief in der nordischen Mythologie und der Tradition skaldischer Poesie verwurzelt ist. Wenig Licht, viel Nebel: Schon optisch wurde deutlich, dass hier nicht grelle Effekte, sondern Atmosphäre im Mittelpunkt stehen.

Mehrstimmige Gesänge und archaisch anmutende Klänge füllten nach und nach den Raum. Skáld schufen einen stimmungsvollen Einstieg in den Konzertabend und nahmen das Publikum mit in ihren nordisch-folkloristischen Klangkosmos. Ein Auftakt, der sich deutlich von einem klassischen Rock-Support unterschied und das Publikum auf seine ganz eigene Weise auf den Headliner einstimmte.

Als The HU die Bühne betraten, wurde schnell klar, dass der Abend musikalisch noch einmal deutlich an Härte gewinnen würde. Die Band klang von Beginn an druckvoller, als wir es erwartet hatten. Der markante mongolische Kehlkopfgesang, traditionelle Instrumente wie die Pferdekopfgeige und schwere Gitarrenriffs verbanden sich zu einem Sound, der sofort Wiedererkennungswert besitzt.

Die Setlist schöpfte dabei stark aus „HUN“, dem dritten Album der Band, das am 24. Juli 2026 veröffentlicht wurde. Die neuen Songs fügten sich bestens in das unverwechselbare Klangbild ein: mal getragen und eindringlich, dann wieder mit voller Wucht nach vorne gehend. Gerade diese Mischung macht The HU so besonders. Ihre Musik klingt nicht wie eine gewöhnliche Rock- oder Metalshow mit folkloristischen Zutaten, sondern entwickelt aus den mongolischen Traditionen heraus eine ganz eigene musikalische Identität.

Natürlich durften auch die großen Publikumslieblinge nicht fehlen. Bei „Wolf Totem“ wurde es in der Halle spürbar laut, doch spätestens bei „Yuve Yuve Yu“ war die Stimmung auf dem Höhepunkt. Der Song verhalf The HU 2018 zu einem ihrer ersten großen internationalen Erfolge und machte die Band durch YouTube weit über die Grenzen der Mongolei hinaus bekannt. Bis heute gehört er zu ihren bekanntesten Stücken – und live entfaltet er eine ganz besondere Wirkung.

Die tiefen Gesänge, der treibende Rhythmus und die wuchtigen Gitarren ließen das Palladium beben, als würde eine Horde Bisons durch die Steppe jagen. Dabei war es nicht allein die Lautstärke, die den Auftritt auszeichnete. Es war das Zusammenspiel aus archaischer Klangfarbe, präzisem Zusammenspiel und moderner Rockenergie, das die Songs so mitreißend machte.

Den absoluten Höhepunkt bildete der Titeltrack „Warrior Chant“ aus dem aktuellen Album „HUN“. Besonders die Passagen zum Mitklatschen funktionierten hervorragend: Das Palladium ging geschlossen mit und wurde für einen Moment selbst Teil der Show. Nach jedem Song brandete tosenden Applaus auf, der zeigte, wie sehr das Publikum die Performance feierte.

Auch die kleinen Gesten blieben in Erinnerung. Zwischen den Songs bedankte sich der Sänger immer wieder mit einem freundlichen „Dankeschön“ auf Deutsch beim Publikum. Eine einfache, aber sympathische Geste, die Nähe schuf und den Abend zusätzlich auflockerte.

Der Auftritt von The HU in Köln war definitiv ein besonderer Konzertabend – und das nicht nur wegen ihres außergewöhnlichen Stils. Die Band bewies einmal mehr, dass jahrhundertealte musikalische Traditionen und moderne Rock- und Metal-Elemente keine Gegensätze sein müssen. Bei The HU verschmelzen sie zu einem eigenständigen Genre, das weltweit Menschen erreicht, ohne seine mongolischen Wurzeln zu verlieren.

Vom atmosphärischen Auftakt mit Skáld bis zum mitreißenden „Warrior Chant“ bot der Abend eine musikalische Reise, die sich deutlich von einem gewöhnlichen Konzert unterschied. The HU brachten die Energie der Steppe ins Palladium – mit Kehlkopfgesang, traditionellen Instrumenten, schweren Riffs und einem Publikum, das begeistert mitging.

Ein Konzert, das eindrucksvoll zeigte, wie grenzenlos Musik sein kann, wenn Tradition und Moderne ihren ganz eigenen gemeinsamen Rhythmus finden.

Pierre Ames

Redakteur und Fotograf