30 Jahre Placebo und die Festhalle wird zur Zeitmaschine

30 Jahre Placebo und die Festhalle wird zur Zeitmaschine

Ein Donnerstagabend, und die Festhalle ist ausverkauft. Das alleine zeigt schon, dass sich hier einer der ganz großen Namen die Ehre gibt.
Placebo hat für mich einen ganz besonderen Stellenwert in meinem Leben gehabt, daher könnte dieser Bericht eventuell etwas befangen sein. Soviel vorweg. Als ich Mitte 20 war, hat diese Band mich aus dem Acid und House Musik Milieu zurück nach Hause, in die Rockszene, gebracht. Und als wäre dieses Konzert nur zu meinem Seelenheil geplant, starten Placebo mit einem Acidthema ihre Show. Bei geschlossenem Vorhang dröhnt elektronische Musik aus den Boxen und die Gäste johlen in freudiger Erwartung. Mit den ersten Klängen von „Pure Morning“ fällt der Vorhang und ein Tosen schwappt von der Menge nach vorne auf die Bühne. Gänsehaut zieht sich über meinen Körper, und ich fühle mich zurück zur Jahrtausendwende versetzt. Die einzigartige Stimme von Brian Molko hat auch nach so langer Zeit nichts von ihrer Faszination verloren. Dem kann selbst die schlechte Akustik der Frankfurter Festhalle, die schon mehr als einen Tontechniker großer Bands in den Wahnsinn getrieben hat, nur schwer schaden. Auch als Brian die angereisten Fans darum bittet, die Handys wegzustecken, da es vor 30 Jahren nur „fucking Nokias“ ohne Kamera gab, wurde dies mit viel Liebe akzeptiert, um dem Flair der vergangenen Jahrzehnte gerecht zu werden. Auch ich möchte mich gerne mit meiner fotografischen Arbeit in den Vibe einreihen. Daher keinerlei Rauschunterdrückung in den Bildern und nach bestem Wissen und Gewissen den S/W Filmlook dieser Jahre von Ilford und Kodak nachgeahmt. Ich hoffe, Ihr verzeiht mir diese künstlerische Freiheit.

Für mich war dieser Gig eine Zeitreise in die Vergangenheit und ich konnte jede Minute genießen. Und eigentlich hätte das auch schon gereicht. Aber dann gab es da noch diesen kleinen Bonus. Einen, über den ich normalerweise schon eingangs dieses Textes hätte schreiben sollen. Dieser Bonus namens „The Mirror Trap“. In all meiner Vorfreude auf den Headliner hatte ich die Supportband schlicht gar nicht auf dem Radar und mich eigentlich nur wegen des Kamera Setups dafür anmelden lassen. Ein großer Fehler, den ich nachträglich einräumen muss. Mann, ham die nen geilen Sound. Vollkommen zurecht an der Seite von Placebo auf Tour. Hört da unbedingt mal rein. Oder, noch besser: Kauft Karten für die Tour. Es lohnt sich!

Playlist Placebo:

  • Pure Morning
  • Come Home
  • You Don’t Care About Us
  • 36 Degrees
  • Teenage Angst
  • Bionic
  • Without You I´m Nothing
  • Allergic
  • I Know
  • Brick Shithouse
  • My Sweet Prince
  • Lady of the Flowers
  • Helen Keller
  • Bruise Pristine
  • Nancy Boy
  • Every You Every Me
  • Running Up That Hill

Matthias Meyer

Redakteur und Fotograf