Wiesbaden schwitzt: Ankor kehren ins Kesselhaus zurück
Fast zwei Jahre hat das Kesselhaus Wiesbaden auf diesen Abend gewartet. Am 16. Juni 2026 machen Ankor im Rahmen der „Summer Shows 2026″ wieder Halt in der hessischen Landeshauptstadt, im Schlepptau die Berliner Emo-Metal-Band Seven Blood. Für die spanische Alternative-Metal-Truppe aus Barcelona ist es die erste Rückkehr an diesen Ort seit den Summer Shows 2024 – und die Fans lassen an diesem Dienstagabend keinen Zweifel daran, dass sie diese Wartezeit als zu lang empfunden haben.
Um kurz vor acht eröffnen Seven Blood einen heißen Abend . Das Berliner Quartett steht zum ersten Mal auf einer Wiesbadener Bühne. Ihr aktuelles Album „Life Is Just a Phase“ (2025) bildet das Rückgrat des Sets: Songs wie „House ≠ Home“ und „No Breakout“ öffnen den Abend mit krachenden Riffs, während sich unter der Oberfläche immer wieder elektronische Texturen einschleichen, die den Sound weicher machen. Sängerin Azaria Nasiri wechselt mühelos zwischen klarem Gesang und schärferen Tönen, ihre Stimme trägt auch dann, wenn Gitarren und Drums das Kesselhaus fluten. Mit „Just Dance“ von Lady Gaga bauen sie eine überraschende Coverversion ein, bevor sie mit „Burst in Flames“ einen brandneuen Song präsentieren – die Single erscheint offiziell am kommenden Freitag. Passender könnte der Titel kaum sein, denn im Kesselhaus des Schlachthofs Wiesbaden steht bereits jetzt drückende Hitze. Nach knapp vierzig Minuten ist der Auftritt vorbei, zu kurz für eine Band, die gerade erst zeigt, wie viel Raum ihr Sound noch einnehmen könnte.
Zwischen den Sets füllt sich der Bereich vor der Bühne weiter. Ein Fanclub ist eigens nach Wiesbaden gereist, hat Papierherzen verteilt und verteidigt seine Plätze in der ersten Reihe – die Vorfreude auf den Headliner ist förmlich greifbar. Um 21:10 Uhr betreten Ankor die Bühne, eingeleitet von einem Intro aus der Konserve. Bassist Julio López fehlt an diesem Abend – ein Umstand, der die übrigen vier nicht zu bremsen scheint. Noch bevor der erste Song verklingt, begrüßt Sängerin Jessie Williams das Publikum vertraut: „Wir waren schon einige Male in Wiesbaden.“ Die Zeile sitzt, das Kesselhaus antwortet mit Jubel.
Die 2003 im katalanischen Els Pallaresos gegründete Band hat sich seither vom klassischen Power Metal wegbewegt, hin zu einem Alternative-Metal-Sound, der Metalcore-Härte mit elektronischen Elementen und – hörbar in Songs wie „Nagato · Purple Eyes“ oder „MADARA endless dream“ – mit japanischer Popkultur verschränkt. Mit „Darkbeat“, „Embers“ und „Venom“ eröffnet die Band druckvoll, Williams‘ Screams sitzen von der ersten Sekunde an messerscharf im Mix, während Eleni Notas Drumming das Tempo diktiert, ohne dabei die Melodien der Gitarren von Romeu und Martinez zu überdecken. Später im Set ruft Williams noch einmal ins Publikum: „Ihr wisst, weshalb wir heute alle hier sind“. Prompt beantwortet mit „Ankor, Ankor“-Sprechchören.
Vor einem der neueren Songs entfacht sich eine Wall of Death, die aber schnell wieder in ruhigeres Kopfnicken übergeht – das Publikum tanzt sich lieber im Takt warm, als sich permanent zu verausgaben. Mit „Oblivion“ und dem titelgebenden „Shoganai“ schlägt Ankor den Bogen zum bislang einzigen Album unter dem australischen Label UNFD, seit 2024 der musikalische Fixpunkt der Band. Die neuere Single „Danzo · Lying Ghost“ (2026) zeigt, wohin die Reise als Nächstes gehen könnte: dichter produziert, mit mehr Raum für die elektronischen Parts. Zum Ende hin steigt mit „Hill Valley“ und „Prisoner“ noch einmal die Temperatur im Saal – sowohl akustisch als auch tatsächlich, denn die Hitze des Abends hat sich im vollen Kesselhaus längst festgesetzt. Die Fans hüpfen trotzdem weiter, unbeirrt.
Um 22:30 Uhr endet der Abend nach eineinhalb Stunden. Was bleibt, ist der Eindruck einer Band, die ihre Pause in Wiesbaden mühelos wettmacht. Das Kesselhaus Wiesbaden hat zwei Jahre auf diesen Moment gewartet – am Ende steht fest: Es war die Hitze wert.