Zwischen Licht und Schatten – Katatonia hüllen die Batschkapp in Melancholie

Zwischen Licht und Schatten – Katatonia hüllen die Batschkapp in Melancholie

Der 12. Dezember 2025 liegt mit dichtem Nebel schwer über Frankfurt, als sich die Türen der Batschkapp öffnen. Katatonia sind im Rahmen ihrer Headline-Tour zu Gast, unterstützt von Evergrey und Klogr. Ein Line-up, das vor allem Fans dunkler, emotionaler Metal-Spielarten anzieht. Die Halle füllt sich langsam als Klogr den Anfang macht. Dieser Opener wirkt wie ein erster Impuls, der den Raum vorbereitet. Klare Rhythmen und kantige Riffs schneiden durch den noch nüchternen Raum, während sich das international gemischte Publikum allmählich auf den Abend einstimmt. Ein Auftakt, der öffnet.

Evergrey nutzen ihre Rolle als Special Guest souverän und die Atmosphäre verdichtet sich spürbar. Ihre Songs tragen Schwere in sich, aber auch Wärme, und genau diese Spannung überträgt sich auf die Halle. Die Band überzeugt mit großer Bühnenpräsenz, starken Refrains und einer emotional aufgeladenen Performance. Besonders die Mischung aus progressiver Härte und melancholischer Dramatik passt perfekt zum Abend. 

Als schließlich Katatonia, die Meister der dunklen Atmosphäre, die Bühne betreten, werden sie empfangen mit lautem Jubel, Rufe und spürbarer Vofreude. Für einen kurzen Augenblick ist der Raum hell vor Erwartung, bevor sich die Stimmung langsam wandelt.
Mit den ersten Klängen von Thrice zieht Katatonia das Publikum direkt in ihren Bann. Der Sound ist von Beginn an klar, dicht und atmosphärisch. Die Band spannt einen beeindruckenden Bogen durch ihre Diskografie: Neue Songs vom aktuellen Album fügen sich nahtlos neben Klassiker, die von großen Teilen des Publikums textsicher mitgesungen werden.
Jonas Renkse präsentiert sich zurückhaltend, intensiv und emotional, ohne große Gesten. Gerade diese Reduktion verleiht den Songs ihre Wirkung. Stücke mit schwerem Riffing wechseln sich mit ruhigen, fast schwebenden Momenten ab, in denen die Batschkapp in melancholisches Licht getaucht wird. Katatonia spielen nicht für den Moment – sie lassen ihn entstehen.
Besonders eindrucksvoll präsentiert sich der Bühnenaufbau, der die düstere Atmosphäre der Musik visuell unterstreicht. Die Bühne klar in zwei Ebenen gegliedert: Auf der zweiten, erhöhten Ebene thront zentral das Schlagzeug. Direkt darunter sowie rechts und links rahmen großflächige LED-Wände., die reduzierte, oft abstrakte Visuals in dunklen Farbtönen zeigen. Keine klaren Bilder, keine Ablenkung – nur abstrakte Formen, langsame Bewegungen, die mehr fühlen lassen als zeigen. Sie verändern sich dezent mit dem Licht und spiegeln die Stimmungen der Songs wider. Dieses Zusammenspiel aus Ebenen, Licht und Bewegtbild verleiht der Performance zusätzliche Tiefe.
Eine mystische Lichtdramaturgie mit fast traumartige Qualität verstärkt die Kraft der Musik auf eindrucksvolle Weise. Das bewusst zurückgehaltene Licht  mit viel Dunst macht jeden Lichtstrahl sichtbar. Statt greller Frontbeleuchtung dominieren seitliche und hintere Lichtquellen, die die Musiker oft nur als Silhouetten erscheinen lassen. Gesichter verschwinden im Halbdunkel, Konturen lösten sich auf – ganz so, als wolle die Inszenierung sagen, dass hier nicht Individuen im Vordergrund stehen, sondern Stimmung, Gefühl und Klang. 

Das Frankfurter Publikum begegnet dieser Musik mit Respekt. Kaum Bewegung, kaum Zwischenrufe – stattdessen geschlossene Augen, Mitsingen, ein gemeinsames Innehalten. Große Worte braucht es nicht. Die Verbindung ist spürbar.

Statt wilder Moshpits dominieren Kopfnicken, geschlossene Augen und ein spürbares Mitfühlen, was sehr gut zu beobachten ist von der leicht erhöhten Rolli-Rampe.

Katatonia liefern in der Batschkapp kein Konzert im klassischen Sinne, sondern eine atmosphärische Erfahrung. Ein Abend, der sich nicht aufdrängt, sondern langsam nach innen wirkt. Getragen von Licht, Schatten und Klang entsteht ein Raum, den man nicht einfach verlässt, sondern mitnimmt.
Ein Konzert, das lange nachhallt, ein Konzert, das nicht überwältigt – sondern berührt.

Unterstützt von starken Vorbands und getragen von einem aufmerksamen Publikum wird der Abend zu einem eindrucksvollen Beweis dafür, warum die Band seit Jahrzehnten eine feste Größe im melancholischen Metal ist.

Setlist
1. Thrice, 2. Soil’s Song, 3. The Liquid Eye, 4. Austerity, 5. Rein, 6. Leaders, 7. Dead Letters, 8. Nephilim, 9. Wind Of No Change, 10. The Longest Year, 11. Old Heart, 12. July, 13. Lethean, 14. No Beacon To Illuminate Our Fall, 15. In The Event Of, Encore: Forsaker

Silke Kemmer

Redakteurin und Fotografin