Hexentanz unter blauem Himmel: Satans Hochzeit und neue Stimmen auf Burg Lichtenberg

Hexentanz unter blauem Himmel: Satans Hochzeit und neue Stimmen auf Burg Lichtenberg
Schandmaul - 26.04.2026 Burg Lichtenberg

Manchmal stimmt einfach alles – das Wetter, der Ort, die Bands, die Stimmung. Das 18. Hexentanz-Festival auf Burg Lichtenberg war so ein Moment. Vom 24. bis 26. April 2026 strahlte drei Tage lang die Frühlingssonne über das Pfälzer Bergland, als hätte sie den Spielplan studiert und beschlossen mitzumachen. Thomas von Schandmaul brachte es auf den Punkt: „Wir hatten Sturm, Abbruch, Hagel, Regen.“ All das kennt das Hexentanz-Festival aus 18 Jahren Geschichte. Was es nicht kannte: Sonnenschein von der Zeltplatzeröffnung am Donnerstag bis zum Abbau am Montag. Wer das als Kleinigkeit abtut, war noch nie Ende April auf einem Open Air.

Zum zweiten Mal in Folge bot Burg Lichtenberg die malerische Kulisse. Das historische Gemäuer im Landkreis Kusel verleiht der Veranstaltung seinen unverwechselbaren Charakter. Man durchwandert das gesamte Areal, passiert Torbögen und alte Mauern, bevor die Bühne am äußersten Ende hoch über dem Pfälzer Bergland thront. Die Marktstände, in diesem Jahr über das gesamte Gelände verteilt, verwandelten den Weg dorthin in einen einladenden Mittelaltermarkt. Mittendrin, wie gewohnt gut vernetzt zwischen den Szenegängern: Otti vom Metalkeller, der sich immer wieder unters Publikum mischte – wenn er nicht gerade am Mikrofon saß und Interviews für seinen Podcast führte.

Der Freitag startete mit den Online-Voting-Gewinnern 2 Minds Collide, die ihren Opener-Slot souverän nutzten. League of Distortion übernahmen mit elektronisch unterlegtem Alternative Metal und Sängerin Ace, die das Publikum von der ersten Ansage an in der Hand hatte. Reliquiae kämpften mit fehlendem Personal – Drehleier und Geige blieben zuhause – und anfänglichen Soundproblemen. Der zweite Teil des Auftritts entschädigte.

Asenblut sorgten für den ersten echten Ausrufezeichen-Moment: Melodic Death Metal mit Sänger Tetzel, der mit einem tragbaren Flammenwerfer durch die Gegend feuerte. Die Menge feierte, beim Call-and-Response zu „Wie ein Berserker“ brüllte der Burghof zurück. Dogma, die Rock-Girlgroup im provokanten Nonnenkostüm, präsentierten sich nach turbulenten Besetzungswechseln Ende 2025 wieder vollständig. Sängerin Lilith, die auf Deutsch ansagte, obwohl es sie hörbar Überwindung kostete, sammelte damit Sympathiepunkte, die nicht erzwungen wirkten. Abends übernahmen Lacrimas Profundere die Bühne, Sänger Julian kletterte auf die Lautsprecherboxen, die Fans sangen von Beginn an mit. In der Umbaupause folgte ein Moment abseits der Musik: Bühnen-Manager stellte ein Paar vor, das am Morgen auf der Burg geheiratet hatte. Den Abschluss des Abends machten Lord of the Lost: musikalisch tadellos, optisch konsequent im Dunkeln. Chris Harms merkte an, es sei sein vierter Hexentanz-Auftritt – der erste ohne Regen.

Am Samsatg eröffnete der Online-Voting-Gewinner Nathanael mit Folk Rock und einem Iron-Maiden-Cover, Scherbentanz folgten mit elektronisch unterfüttertem Dark Rock. Sagenbringer heizten trotz Mittagssonne zuverlässig ein. Ragnaröek sorgten nicht nur mit ihren Feuerspuckern für Begeisterung: Der Schmied der Band zapfte per Trichter und langem Rohr sein flüssiges Handwerk – eine hübsche Dame aus dem Tourteam hielt die Konstruktion, die Zuschauer hielten die Köpfe hin. Den heimlichen Höhepunkt des Tages lieferten All For Metal: Sänger Tezel stellte vor vollem Festivalgelände seinen neuen Co-Sänger Amerigo vor. Stimmlich überzeugend ohne Einschränkung, beim Circle-Pit-Aufruf zu „Run“ zirkulierte er selbst mit der Band ums Schlagzeug-Podest. In der Umbaupause folgte der zweite romantische Moment des Wochenendes: ein Heiratsantrag auf der Bühne. Varg lieferten anschließend Melodic Death Metal als Duett mit der massivsten Pyroshow des Wochenendes. Den Abschluss übernahmen Mr. Hurley & die Pulveraffen. Die Piratenparty mit eigenem Pfefferminzlikör-Jingle und einem Circlepit exklusiv für Frauen war Konzert, Show und Gemeinschaftserlebnis in einem.

Der letzte Festivaltag begann alles andere als gemächlich. Bereits zu Mittag staute sich die Schlange am Einlass. Grund war eine angekündigte Überraschung von Rabengott. Mit „Satans Hochzeit“ feierten sie die Bühnenuraufführung eines neuen Stücks, bei dem die Bassistin im weißen Hochzeitskleid antrat und sich am Höhepunkt des Songs einen Kelch mit Blut über Kleid und Körper schüttete. Ein theatralischer Einstieg, perfekt inszeniert, lang bejubelt. Die Legende von Nord, Mythemia und Die Habenichtse trugen den mittelalterlichen Geist durch den Nachmittag, bevor Manntra aus Kroatien den Platz vor der Bühne in ein Spektakel verwandelten. Die Band schickte einen Skelett-Mann auf einem Stand-Up-Paddleboard zum Crowdsurfen ins Publikum. Jemand aus der Menge drückte dem Skelett ein rosa Einhorn in die Hand, das er triumphierend übers Publikum trug.

Fiddler’s Green kamen als Last-Minute-Einladung und brachten ihre laufende Akustik-Tour gleich mit: Thekenhocker, Irish-Pub-Kulisse, kein Verstärker weit und breit. Wer die Band kennt, weiß: Unplugged schadet ihr nicht. Dann Schandmaul mit einem Moment, den viele mit Spannung erwarteten. Thomas Lindner, langjähriger Frontmann der Münchner Mittelalter-Folkrocker, kann aufgrund einer Erkrankung nicht mehr singen. Er stand trotzdem auf der Bühne – am Keyboard und mit Gitarre, wo er weiterhin seinen Platz in der Band hat. Persönlich stellte er seinen Nachfolger vor: Marco Klingel alias Till Herence, die neue Stimme von Schandmaul. Die Menge war still, dann laut – Respekt für Lindner und Neugier auf das, was kommt.

Das 18. Hexentanz-Festival hatte alles: Sonne, Blut, Einhorn, Heiratsanträge und bewegende Momente. Veranstalter Frank Schulz zeigte sich nach dem Wochenende entsprechend zufrieden und ließ bereits erste Namen für 2027 fallen: Kupfergold und Rauhbein sollen Teil des nächsten Line-ups werden. Die Burg Lichtenberg bleibt offenbar der Ort des Geschehens. Bis nächstes Jahr.

Andreas Schieler

Leitung, Redakteur und Fotograf