Dick Brave versetzt Kaiserslautern ins Rockabilly-Fieber

Dick Brave versetzt Kaiserslautern ins Rockabilly-Fieber
Dick Brave - 29.04.2026 Kammgarn Kaiserslauetrn

Am 29. April 2026 ist die Zeit in der Kammgarn Kaiserslautern zurückgedreht worden. Petticoats schwingen, Pomade glänzt in Haartollen und bunte Bowlinghemden färben die ehemalige Spinnerei schon vor dem ersten Ton in die Farben der goldenen Fünfziger. Denn die Rockabilly-Ikone Dick Brave kehrt mit seiner „Back For Good – Club Tour“ zurück und zündet ein Rock’n’Roll-Revival, das Nostalgie mit einem breiten Augenzwinkern auf die Bühne bringt.

Noch vor offiziellem Beginn zieht der Support-Act Dominic Möws das Publikum tief in die Mitte der 1950er-Jahre. Dazu benötigt der Berliner Sänger nicht mehr als seine Akustikgitarre und eine Handvoll Evergreens. Klassiker wie „Country Roads“ und „Falling in Love“ entpuppen sich schnell als Einheizer, bei denen die Kammgarn kollektiv mit einstimmt und in Bewegung kommt. Möws, der normalerweise mit den Class-O-Mates die Ära der frühen Sun Records zelebriert, punktet am Dienstagabend im Alleingang durch seinen Charme. Als Elvis-Presley-Interpret hüllt er die Zuschauer bei „Love Me Tender“ förmlich ein, während Hits wie „Ring of Fire“ für die nötige Betriebstemperatur sorgen. Zwischen seinem lockeren Smalltalk halten „Don’t Be Cruel“ oder sogar „Rote Lippen soll man küssen“ das Stimmungsbarometer weiter ganz weit oben. Nach gut 40 Minuten verabschiedet sich Dominic Möws mit „Have You Ever Seen The Rain“ sowie „Rock Around The Clock“ unter kräftigem Jubel des Lautrer Publikums.

Dann gehen die Lichter aus, und mit dem passenden Opener „Back For Good“ startet Dick Brave genau so, wie es der Tourname verspricht. Vor den übergroßen Leuchtbuchstaben „DICK“ lassen das Alter Ego des Popsängers Sasha und seine Musiker keinen Zweifel an ihrer Spielfreude. „Get The Party Started“ gibt schon früh das Motto in der längst ausverkauften Kammgarn vor. Dick Brave beherrscht die großen Gesten der goldenen Ära, jeder Kick und jeder Flick bringt die Fans zum Johlen. Und als wäre Gravitation nur ein Vorschlag, stemmt er sich plötzlich kopfüber aufs Klavier und hält die Pose einen Moment länger, als man erwartet. Der Sänger aus Soest geht völlig überzeugend in seiner Rolle auf, spricht in charmant gebrochenem Deutsch mit amerikanischem Slang und zelebriert in seinem hellblauen Bowlinghemd jede Ansage.

Das komplette Parkett ist im Rockabilly-Fieber. Sowohl vor der Bühne als auch auf der Empore singt das bunt gemischte Publikum textsicher zum A-ha-Cover „Take On Me“. Dick Brave spielt gekonnt mit seinen Fans, wie beispielsweise bei „Be The One“, indem er den Saal in zwei Chöre teilt, die Seiten gegeneinander antreibt und dirigiert. Immer wieder sucht er den Kontakt, lacht, witzelt, zieht die Leute näher an die Bühne. Als Dank bekommt der Entertainer die gesamte Euphorie zurück. Als die ersten Töne von „The Winner Takes It All“ erklingen, übernimmt das Publikum noch vor seinem Einsatz den Song komplett. Er stoppt kurz, freut sich sichtlich über die Begeisterung und startet einen erneuten Anlauf. Es ist einer dieser Momente, in denen Bühne und Saal eins werden und in Erinnerung hängen bleiben.

Zwischen den treibenden Gitarrenläufen und Boogie-Woogie-Basslinien setzt die Band gezielt abwechslungsreiche Akzente. Ein ausgedehntes Rock’n’Roll-Piano-Solo verschafft den restlichen Musikern eine kurze Verschnaufpause, bevor „Beautiful Things“ wieder Fahrt aufnimmt und schließlich in ein ekstatisches „Freedom“ mündet, bei dem der Sänger lässig auf dem Klavier posiert. Mit „Buona Sera“ von Louis Prima kippt die Stimmung in ausgelassenen Boogie, die Menge klatscht, tanzt und lässt sich vom swingenden Rhythmus treiben. Bei „Good Loving“, wobei Dick Brave sein Können an der Mundharmonika beweist, flechtet er geschickt einen „La Bamba“-Part ein. Willkommene Abwechslung bietet auch der Unplugged-Part, bei dem sich die Musiker am Rande der Bühne ein Retro-Mikrofon teilen und mit dem Medley „All Shook Up / Teddy Bear“ von Elvis Presley oder „Summertime Blues“ von Eddie Cochran in Akustikversion eine fast schon familiäre Stimmung erzeugen.

Zwischen den Songs nimmt sich Dick Brave Zeit für herzliche Worte. Er bedankt sich für das ausverkaufte Haus, für die spürbare Wärme aus dem Publikum und stellt seine Band mit einer Mischung aus Humor und wilden Geschichten vor. Der Drummer kommt angeblich aus Transsilvanien, der Pianist aus Las Vegas, der Bassist aus einer amerikanischen Zirkusshow und der Gitarrist aus einem dubiosen Mafia-Club in Boston. Ob wahr oder erfunden, spielt keine Rolle. Die Geschichten passen perfekt zu diesem überzeichneten Rock’n’Roll-Kosmos. Bevor die Band verschwindet, zollt sie der verstorbenen Tina Turner mit einer kraftvollen Darbietung von „What’s Love“ gebührenden Respekt.

Zur Zugabe kehrt Dick Brave mit einer Anekdote über seine kanadische Heimat und seinen ersten Besuch auf einem deutschen Schützenfest zurück. Er erklärt mit einem Augenzwinkern, dass er die dortige Schunkelmusik gehört habe und „Take Good Care“ die wesentlich geeignetere Antwort darauf sei. Das Finale gehört ganz der großen Geste. „Enjoy the Silence“ verwandelt sich in eine mitreisende Rockabilly-Nummer, bevor „Walk This Way“ den Abend mit voller Wucht abschließt. Die Kammgarn Kaiserslautern kocht, die Band verbeugt sich, und zurück bleibt ein Saal voller verschwitzter, glücklicher Gesichter. Dick Brave ist wahrlich zurück … back for good!

Andreas Schieler

Leitung, Redakteur und Fotograf