Beyond The Black, Seraina Telli und Setyøursails bringen im Schlachthof das But zum Wallen
Seit der frühen Ankündigung der „Rising High“-Tour stieg die Vorfreude monatelang auf den Auftritt von Beyond The Black am 27. Januar 2026 im Schlachthof Wiesbaden. Die Vorzeichen dafür standen jedoch nicht durchgehend günstig. Die Organisatoren der Tour sahen sich im Vorfeld mit mehreren Herausforderungen konfrontiert, darunter die Absage einzelner Shows in Skandinavien, der Wegfall der Supportband Crownshift sowie anhaltender Schneefall in Deutschland, der die Transportlogistik beeinträchtigte. Umso erfreulicher war es, die immer erfolgreicher werdende Band beim Tourstopp im Wiesbadener Schlachthof live erleben zu dürfen.
Die erste Überraschung des Abends lieferte Seraina Telli im Vorprogramm. Gemeinsam mit ihrem Drummer Mike Malloth betrat sie die Bühne, von Esmée van Sinderen war nichts zu sehen, obwohl sie noch 2024 in Frankfurt an Tellis Seite gespielt hatte (Wave of Darkness berichtete). Das Tourleben folgt jedoch selten festen Erwartungen, was den Auftritt umso spannender machte. Mit sichtbarer Spielfreude gelang es der Sängerin und Multi-Instrumentalistin, gemeinsam mit Malloth ein erstaunlich druckvolles Set auf die Bühne zu bringen und die Halle zu rocken. In einer Bühnendekoration, die mich stark an Alice im Wunderland auf LSD erinnerte, spielten sich die beiden die Seelen aus dem Leib. Das Publikum reagierte durchweg positiv und honorierte die Performance mit spürbarer Begeisterung. Nach rund dreißig Minuten war das Set beendet und die Bühne wurde für die zweite Supportband vorbereitet.
Setyøursails betraten die Bühne, und vom ersten Song an wurde klar, dass diese Band für die härtere Gangart des Abends zuständig ist. Stilistisch schlug die Band mit ihrem Metalcore-Sound eine deutlich andere Richtung ein, die zwischen Seraina Telli und Beyond The Black für mich zunächst unerwartet wirkte. Ein Großteil der angereisten Gäste feierte Setyøursails unter lautem Jubel. Etwa 50 Minuten lang bretterte die Band, was das Zeug hielt, und gab der Meute Zucker. Die Stimmung in der Halle war überschwänglich.
Nach einer rund dreißigminütigen Pause, in der die Security des Schlachthofs Wasser an Fans in der ersten Reihe verteilte, kam endlich Bewegung hinter dem Beyond-The-Black-Vorhang. Mit den ersten Tönen von „Break the Silence“ fiel der schwarze Stoff in gewohnter Manier und gab den Blick auf die Bühne frei. Schön wie eh und je stand Jennifer Haben im schwarzen Outfit da, mit Beinen, die augenscheinlich nicht enden wollten, und einer Stimme, die nach der vorangegangenen Metalcore-Wucht fast seidig wirkte. Das Bühnenlayout wurde durch eine LED-Backwall mit einer zweiten Etage für den Drummer zu einem fetten Eyecatcher. Das lange Warten hatte sich gelohnt.
Viel zu schnell gingen „Hysteria“ und „Rising High“ im Fotograben an mir vorbei. Auch die nächsten anderthalb Stunden vergingen wie im Flug. In einem gesunden Mix aus den vergangenen Scheiben und dem aktuellem Album heizen die fünf den Fans ein. Zum Song „Ravens“ gab es noch eine weitere Überraschung. Wer dachte, die goldenen Schwingen aus dem Musikvideo blieben in der Versenkung, wurde eines Besseren belehrt. Eigens für diesen Song kommen sie weiterhin auf der Tour zum Einsatz. Ein schönes Detail, wenn ihr mich fragt.
Mein Fazit: Beyond The Black sind sich auch mit diesem Album treu geblieben und folgen auch weiterhin ihrer musikalischen DNA. Insbesondere auf einem Konzert wird klar, wie nahtlos sich die neuen Songs in das bestehende Material einfügen und das Set ergänzen.
Setlist:
Break the Silence, Hysteria, Rising High, Heart of the Hurricane, Reincarnation, Songs of Love and Death, Wounded Healer, Ravens, The Flood, Lost in Forever, Free Me, Written in Blood, Let There Be Rain, When Angels Fall, Shine and Shade, In the Shadows
Zugabe: Hallelujah, The Art of Being Alone, Running to the Edge