Knorkator in der Halle02: “Wir haben euch gefreut uns zu rocken”

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Ein KNORKATOR-Konzert ist nicht wie das andere und erst recht wie alle anderen Konzerte. So traten am 03.03.2017 unter dem Motto “Wir freuen euch uns zu sehen” die fünf Kuriositäten der Berliner Fun-Metal-Band in Heidelberg auf, um die angereisten Fans in der fast vollständig gefüllten Halle02 mit neuen Abstrusitäten zu unterhalten. Mit der Tour wurde auch das neue Album “Ich bin der Boss” vorgestellt, dessen Präsentation im Vergleich zur Selbstinszenierung von Stumpen, Alf, Buzz Dee, Rajko und Nick eher nebensächlich war.

“Deutschlands meiste Band” hatte bezüglich ihres Vorprogramms eigene Vorstellungen: Denn wo üblicherweise eine Vorgruppe spielt, ließ KNORKATOR auf einer großen Leinwand einen Stummfilm laufen, der mit bandeigener Musik untermalt wurde. Darin sah man den Frontmann mit seinen typischen Grimassen und Gesten auf seiner Reise zum Auftritt. Mit dem filmischen Ende, bei dem die Jungs das Gebäude betraten, fing gleichzeitig der reale Auftritt in der tosenden Halle02 an. Zum lauten “Buzz Dee”-Rufen eröffnete die Band mit dem Opener “Alter Mann” einen unterhaltsamen Konzertabend. Während die übrigen Bandmitglieder in überwiegend weißer Garderobe auf der Bühne standen, kam Stumpen im Ganzkörpertarnanzug mit Haube, der eher an einen zottligen Bär erinnerte, und einem Gehstock in der Hand, den er munter umherschleudert. Die Fans feierten die Band vom ersten bis zum letzten Ton und die Band tat alles (un)mögliche, um die Partystimmung nicht abreißen zu lassen. Dabei stand meist der Sänger im Mittelpunkt, der trotz Beinschiene unermüdlich auf den Planken zappelte und umher wirbelte. Als diesem in seinem Tarnkostüm zu warm wurde, offenbarte sich darunter ein beinfreier Einteiler. Mit der Zeit entledigte sich Stumpen mehr und mehr seiner Kleidung bis nur die Unterhose übrig blieb, welche jedoch nur die Front abdeckte. Zwischendurch zeigten Buzz Dee und Rajko eindrucksvoll, dass man zeitgleich das eigene Instrument greifen aber das Instrument des Anderen zupfen bzw. anschlagen konnte. Auch Alf trat hin und wieder ins Scheinwerferlicht, um entweder selbst das Mikrofon zu ergreifen oder als Protagonist von skurrilen Showeinlagen.

KNORKATOR verstand es immer wieder das Publikum gnadenlos miteinzubeziehen. Und keiner in der Halle02 war davor sicher. Nachdem der Sänger fälschlicherweise einen Jungen beim Crowdsurfen als junge Frau ansprach, musste der eigene Fauxpas schnell jemandem anderen in die Schuhe geschoben werden. Wer würde sich da besser anbieten als der junge Mann selbst. So wurde aus dem Lied “Du bist schuld” ganz schnell “Jonathan hat schuld”. Auch eine gähnende Dame in den vorderen Reihen musste daran glauben. Um ihr die Langeweile zu vertreiben wurde das Publikum aufgefordert, sie auf den Händen zu tragen und hoch zu werfen. Zwei recht junge Mädchen rief der Frontmann später auf die Bühne, die mit der Band “Zähne putzen, Pullern und ab ins Bett” performten. Dazu gesellte sich deren Mutter mit Handy bewaffnet, um bewegende Bilder aber auch Stumpens Hinteransicht für die Nachwelt festzuhalten. Damit auch “die hinteren Reihen etwas sehen”, musste sich die vordere Hälfte des Saals auch mal für fast ein komplettes Lied auf den Boden setzen. Zu Beginn der Show bekam ein weiterer Fan sein Handy “veredelt”. Wenn ein Künstler einen um sein Handy bittet, macht er das meist, um Selfies mit dem Inhaber zu machen. Doch nicht bei “Deutschlands meiste Band”. Stumpen steckte sich das Gerät  – hoffentlich nur – in seine Unterhose, sprang ein wenig damit umher und gab es mit den Worten zurück: “Los, mach Bilder. Jetzt ist es auch wertvoll.” Zu erwähnen sind noch die vielfältigen Kopfbedeckungen bei dem zweistündigen Auftritt. Während auf den einen Helm ein Keyboard montiert war, bei dem Alf wortwörtlich in die Tasten haute, diente der Polizeihelm lediglich dazu, sich vor rhythmischen Klobürstenschlägen zu schützen. Das Highlight war sicherlich der Helm mit Pyrotechnik darauf, welcher bei dem Klassiker-Cover “Highway To Hell” zu Einsatz kam.

Ein Abend mit KNORKATOR ist unvergesslich und einmalig. So war es auch in der Heidelberger Halle02. Mit abwechslungsreicher Setlist aus alten Klassikern und neuen Songs aber vor allem durch eine interaktive sowie kurzweilige Bühnenperformance überzeugten die fünf Berliner auf ganzer Linie. “Deutschlands meiste Band” muss man mal live gesehen haben. Bleibt nur noch zu sagen: „Wir haben euch gefreut uns zu rocken“

Setlist: Alter Mann / Ich lass mich klonen / Der ultimative Mann / Ich bin der Boss / Die Geschichte von den Schwarzen Buben / Du nich / Fans / Die Narrenkappe / Highway to Hell / Buchstabe / Konflikt / Geh zu ihr / Eldorado / Setz dich hin / Du bist kein Mensch / Ich bin ein ganz besond’rer Mann / Ich will nur fickn / Du bist schuld / Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett / Sie kommen / A // Ich verachte Jugendliche / Böse / Weg nach unten / Eigentum / Wir werden alle sterben 

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