The SoapGirls in Zweibrücken: sozialkritisch und provokant

Es ist Freitagabend und was gibt es schöneres, als mit guter Musik gemütlich ins Wochenende zu starten. So geschehen ist es am 20.09.2019, als in der ACH Eventhalle Zweibrücken The SoapGirls gastierten. Dort haben Südafrikas schönste musikalische Rebellinnen auf ihrer “Sniff my Strap”-Tour eine provokante Show der ungeschönten Worte abgeliefert.

In dem überschaubaren Club nahe dem ehemaligen Flughafen geht es einladend familiär zu. Als um 21 Uhr die Vorband The Smokestack mit ihrem harten Rocksound den Abend musikalisch eröffnet, stehen die meisten Besucher mit ihrem kühlen Getränk an einem der Stehtische oder sichern sich schon einen Platz vor der Bühne, wo noch ausreichend Freiraum geboten ist. Die lokale Band ist sichtlich gut drauf und bringt mit eigenem Material so manchen zum Tanzen. Die schnellen Riffs gepaart mit dem rauen Gesang prägen den Hardrock-/Metal-Stil der Fünf. Zwischen den Liedern begrüßt man – vorwiegend in heimischen Pfälzer Dialekt – Bekannte oder Ex-Mitglieder, die leider an den “Arsch der Welt gezogen” sind. “3,9 Promille Lovesong” oder “Take Me Down To México” werden zur Begeisterung einiger Fans zum Besten geben und heizen die Stimmung in der nicht ganz gefüllten Eventhalle weiter an. Nach 90 Minuten holen sich The Smokestack ihren gebührenden Applaus ab und machen das Podium frei für den Headliner.

Endlich begrüßen The SoapGirls das gespannt wartende Publikum. Mit stark verzerrter Stimme, die einem alten Roboter ähnlich klingt, gibt es zu Beginn eine ebenso verstörende wie unverständliche Ansage, bevor die leicht bekleideten Schwestern losrocken. Ihre Message machen Noemie und Camille Debray gleich zu Beginn deutlich: “Fuck people, who make you feel uncomfortable”. Die Mädels drehen von Beginn an auf, was allseits gut ankommt. Der Punkrock-Sound ist direkt und stellenweise hart, gleich der Sprache und Inhalte.

Dirty Talk ist an der Tagesordnung und neben den sozialkritischen Ansagen gibt es stellenweise auch ein Augenzwinkern. Doch hier wird nicht um den heißen Brei herum gesungen. Das Zwillingspaar liefert nicht nur eine unterhaltsame Live-Show ab, sondern steht vielmehr für Meinungsfreiheit, Frauenrechte und für alle anders denkende Menschen. The SoapGirls möchten zeigen, dass ihre Musik für jeden etwas sein sollte und jeder die Freiheit haben sollte, authentisch zu sein. Aber natürlich ist es die laszive Performance, die vor allem die Herren in Zweibrücken entzückt. Das aufreizende (fast nicht vorhandene) Bühnenoutfit ist einerseits das provozierende Spiel, das die Message von Freiheit und Selbstbestimmung unterstreicht, was aber andererseits gerade deswegen den ein oder anderen zu den Auftritten zieht. So muss man sich vereinzelt fragen, wer eigentlich nur wegen der nackten Haut, die von Bodypainting bedeckt wird, gekommen ist oder wer hier wegen der künstlerischen Botschaft und der energischen Musik erschienen ist.

Wie auch immer, dass die rebellischen SoapGirls professionell musizieren können, stellen sie mal wieder eindrucksvoll unter Beweis. Songs wie “One Way Street” oder “White Flag” aus dem aktuellen Album “Elephant in the Room” zünden. Ebenso findet der eher rhythmuslastige Band-Hit “Societys Reject” seine mitwippenden Fans. Ihre musikalischen Einflüsse, welche sie mit Bands überwiegend aus dem Grunge-, Punk- und Rockgenre wie Nirvana, Marily Manson, Hole, Alanis Morrissette oder Alice in Chains angeben, sind erkennbar, jedoch gestaltet sich ihr instrumentaler Stil etwas zahmer ganz im Gegensatz zum textlichen. Während der Schlagzeuger, der ebenfalls nur in Unterhose in seinem Drumkit sitzt, nur Beiwerk ist, wirbeln die beiden Blondinen unentwegt über die Bühne. Die Bassistin drückt sich immer wieder in die Brücke oder macht andere akrobatischen Einlagen. Naja, wenn man sich dabei komfortabel fühlt. Den Zuschauern gefällt es jedenfalls sichtlich. “Hate Breeds” und der finale Klassiker “Bad Bitch” sorgen bis zum letzten Ton für gute Laune, die bewegt.

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