Nachtblut krönen ihre Tour in der Kammgarn Kaiserslautern
Manchmal kommen sie wieder. Und manchmal kommen sie stärker zurück, düsterer, kompromissloser. Am 28. Februar 2026 feierten Nachtblut genauso eine Rückkehr in der Kammgarn Kaiserslautern. Dort beendeten die Dark-Metal-Band aus Osnabrück gemeinsam mit Asenblut ihre Tour mit einem vollen Kasino der ehemaligen Spinnerei. Schon früh zog sich die Warteschlange vor dem Eingang weit über den Parkplatz, alle darin gut gelaunt und gespannt auf die Dark-Metaller. Seit dem letzten Besuch in Kaiserslautern, damals noch als Support von Lord of the Lost, hat sich die Band merklich weiterentwickelt. Aus dem Vorprogramm ist ein selbsttragender Headliner geworden. Mit „Vanitas“ gelang Nachtblut erstmals der Sprung in die Top 20 der deutschen Albumcharts, „Todschick“ toppte die Platzierung und katapultierte Nachtblut in den Kreis der genreprägenden Größen.
Den Abend eröffnete Asenblut, die sich in den vergangenen Jahren zur festen Größe im deutschsprachigen Pagan-Metal entwickelt haben. Mit einem wuchtigen „Das Ende der Götter“ setzte das Quartett sofort ein Ausrufezeichen und ließ keinen Zweifel daran, dass dieser Tourabschluss kein lauwarmer Auftakt werden würde. Frontmann Tim „Tetzel“ Schmidt trat breit grinsend ans Mikrofon, streckte die Arme in die Höhe und forderte Lautstärke ein. Er bekam sie prompt. Der muskulöse Sänger machte früh klar, dass Kaiserslautern das letzte Kapitel der „Manchmal kommen sie wieder Tour – Part 2“ schreibt, und verwies zugleich auf große Pläne: Für September 2026 kündigte er ein neues Studioalbum samt anschließender Headliner-Tour an. Bei „Wie ein Berserker“ überließ er den Refrain zeitweise ganz dem Publikum, das die Zeilen geschlossen und mit beeindruckender Wucht zurück warf. „Lasst uns zu neuen Ufern rudern“, rief er wenig später, worauf sich bei „Wölfe des Meeres“ ein ganzer Block auf den Boden setzte, um im Takt zu rudern. Die knapp 40 Minuten vergingen wie im Flug. Mit „Berserkerzorn“ bündelten Asenblut noch einmal ihre rohe Energie, bevor sie die Bühne an ihre langjährigen Freunde von Nachtblut übergaben.
Als das Licht langsam wieder anging, war der Jubel groß. „Vom Hass getrieben“ erklangen die ersten Akkorde im blauen Dunst, aus dem allmählich die Bandmitglieder hervortraten. Bassist AblaZ begrüßte die Fans zum Tourfinale, ließ die Saiten tief vibrieren und zog die wuchtigen Riffs über die Bühne – immer wieder in Augenkontakt zum Lautrer Publikum. Natürlich stand das aktuelle Werk im Vordergrund: Der Titelsong „Todschick“ und „Manchmal kommen sie wieder“ wurden lautstark gefeiert. Das neue Material erwies sich ebenso als Stimmungsgarant wie die Klassiker – ein weiterer Beweis für den erfolgreichen Werdegang von Nachtblut. „Amok“ lud zum Mitsingen und Grölen ein. „Leierkinder“, „Die Toten vergessen nicht“ und „Gegen die Götter“ vom vorherigen Album „Vanitas“ reihten sich nahtlos in das mitreißende Set ein.
Die Kammgarn Kaiserslautern ließ sich schnell in den dunklen Bann ziehen. Askeroth am Mikrofon wechselte zwischen kraftvollem Shouten und kontrollierten Passagen, spielte mit düsteren Blicken sowie ausladenden Gesten und dirigierte den Chor der Fans. Im Hintergrund hämmerte Skoll mit präziser Wucht, ließ die Bass-Drums donnern, während zu seiner Seite Greif auf seiner Gitarre ruhig die harten Riffs und Soli spielte. Nachtblut lieferten eine ebenso intensive wie unterhaltsame Show, ganz ohne viel technischen Schnickschnack. Ein gutes Beispiel dafür war „Stirb langsam“, ein nicht ganz typischer Nachtblut-Song im Piraten-Metal-Stil. Statisten mit bunten Einhorn-Perücken, Tetzel mit Piratenhut und Kindersäbeln tanzten mit einem Augenzwinkern über die Bühne, während Askeroth, selbst mit Piratenhut, alkoholische Shots verteilte – eine ironische Brechung des Liedtextes. Circle Pits und eine Wall of Death zu „Apostasie“ zeigten einmal mehr das ausgelassene Zusammenspiel zwischen der Band und den Lautrer Fans. Bis zum Ende des Hauptteils wurde mitgesungen, die Fäuste gereckt und getanzt.
Eine ausgedehnte Zugabe mit sechs Songs versetzte die Halle noch einmal in Ekstase. Angeführt von „Multikulturell“ und „Fürchtet, was geschrieben steht“ über „Antik“ und den Bandhit „Lied für die Götter“ bis hin zu „Wat is denn los mit dir“ im Duett mit Tetzel sowie dem finalen Erfolgssong der neuen Scheibe „Das Leben der Anderen“ feuerten die Dark-Metaller ein kleines Hitfeuerwerk ab. Die Kammgarn Kaiserslautern erlebte wahrlich einen würdigen Tourabschluss und verabschiedete Nachtblut mit frenetischem Applaus. Ausgepowert, aber glücklich verließen die Fans das Kasino oder verabschiedeten sich noch persönlich von Askeroth, AblaZ, Greif und Skoll – und wer weiß … manchmal kommen sie wieder.