Das Warten hat sich gelohnt – Amy Macdonald feiert in Wiesbaden mit ihren Fans

Das Warten hat sich gelohnt – Amy Macdonald feiert in Wiesbaden mit ihren Fans
Amy Macdonald - 20.02.2026 Schlachthof Wiesbaden

Nach fünf Jahren Pause hat Amy Macdonald 2025 ihr sechstes Studioalbum „Is This What You’ve Been Waiting For?“ veröffentlicht. In ihrem Heimatland wurde sie dafür mit dem Scottish Music Award in der Kategorie Bestes Album ausgezeichnet. Mit neuem Album im Gepäck, ihren Bandkollegen und Better Joy als Support Act kam sie am 20. Februar 2026 nach Wiesbaden in den Schlachthof.

Das Wetter hätte für diesen Schottisch-Britisch-Deutschen-Abend nicht besser sein können: es regnet in Strömen. Davon unbeeindruckt stehen die Fans schon vor dem Einlass geduldig in der Schlange und füllen nach dem Öffnen der Türen schnell die Venue.

Kurz vor halb acht geht es dann los. Die ersten Beats von Better Joy schallen schon von der Bühne, als Bria Keely, der Kopf des Bandprojektes aus Manchester ebenfalls rauskommt. Sie starten mit „What a Day“, einem Lied in dem es um Generationstrauma geht, wie Keely erzählt. Dem schweren Thema zum Trotz verbreitet die sympathische Britin eine mehr als angenehme und gut gelaunte Stimmung. Ihre Songs sind energetisch, hell und dunkel zugleich. So wie es auch die Texte sind, die mal düstere Themen behandeln und dann das erste Verliebtsein. Man hört bei der Indie-Pop-Rock Band The Cure, The Smiths raus und vielleicht auch etwas Amy Macdonald. Nach einer knappen halben Stunde verabschiedet sich Keely samt Band unter Applaus von der Bühne und verteilt Flyer in dem inzwischen komplett gefüllten Zuschauerraum.

Die Stimmung ist erwartungsvoll, das Konzert ausverkauft und alle machen sich bereit für den Hauptact. Während der Umbaupause wird fleißig angestoßen, der Merchstand besucht und wer nah an der Bühne steht, kann sehen, wie ein Security-Mitglied mit einem der Fotografen tanzt. Schlachthof at its best. Nach einigen Gassenhauern wie „Sweet Caroline“ zu dem laut mitgesungen und getanzt wird, fahren die Lichter runter und der Jubel hoch. Die Fotografen und Fotografinnen laufen in den Bühnengraben und dann hat das Warten ein Ende.

„Is This What You’ve Been Waiting For?“ ist der erste Titel auf dem gleichnamigen Album und auch der erste Song des Konzerts. Er setzt den Ton für den Rest des Abends. Nach „Dream On“ und „The Hudson“ erzählt Amy Macdonald, dass sie zum ersten Mal in Wiesbaden seien und wie sehr ihnen der Schlachthof wegen der guten Organisation und des Backstage Bereiches gefalle. Sie entdeckt eine schottische Flagge im Publikum, will wissen, ob Landsleute da sind. Ihr trockener Humor ist ansteckend und auch wenn aufgrund ihres starken Akzentes nicht alles vom Publikum verstanden wird, ist der Funke längst übergesprungen. Die Band spielt einen Mix aus allen Alben, die unterschiedlich sind und doch dieselbe Handschrift tragen: rockiger Folkrock mit ihrer unverwechselbaren Stimme.

Mcdonald und ihre Bandkollegen sind ein eingespieltes Team. Sie scheinen Spaß zu haben und animieren ihre Fans immer wieder mitzuklatschen. Die kommen der Aufforderung gerne nach, tanzen und zeigen sich nicht nur bei „Mr. Rock & Roll“ und „Don’t Tell Me That It’s Over“ textsicher. Bei „Slow It Down“ singt die Crowd dann unter Amys Anleitung die Backvocals und die Stimmung erreicht das nächste Level.

Wir erfahren, dass Amy Macdonald schon die Nationlahymne bei Fußballspielen gesungen hat und dabei die erfolgreichste Performerin auf dem Platz war, da das schottische Team sich nicht qualifizieren konnte. Sie ist sich ihrer Präsenz bewusst und leitet mit ihrer humorvollen Art angenehm selbstbewusst und unaufgeregt durch den Abend. Mit „This Is The Life“ als letzten Song erfüllt sie den noch unausgesprochenen Wunsch aller Anwesenden. Jeder hier scheint in seiner eigenen Erinnerung zu schwelgen.

Mit „We Survive“ startet die Zugabe und Amy klangvolle Altstimme lockt noch das letzte Handylicht aus der Hosentasche. „Let’s Start A Band“ ist dann der tatsächlich letzte Song des Konzerts und so manch einer fragt sich vielleicht auf dem Heimweg, wie das wohl wäre, mit Amy Macdonald in einer Band zu spielen. Bleibt nur zu hoffen, dass das nächste Album nicht wieder so lange auf sich warten lässt. Und wer weiß, vielleicht scheint dann ja auch mal die Sonne.

Fotos: Andreas Schieler

Fritzi van Ribbeck

Redakteurin