Pirates & Kings entern Saarbrücken: Warkings und Visiones of Atlantis liefern epische Metal-Schlacht
Am Freitagabend, es ist der 6. Februar 2026, füllt sich die Garage in Saarbrücken langsam. Jacken werden abgelegt, Shirts mit Bandlogos blitzen aus der Menge. Gespräche auf Deutsch und Französisch mischen sich, aus den Boxen läuft noch Hintergrundmusik. Man merkt: Das hier ist kein gewöhnlicher Clubabend, sondern ein Tourstopp, auf den viele gewartet haben.
Je voller die Halle wird, desto greifbarer ist die Spannung. Fans aus dem Saarland, aus der Pfalz und auffallend viele aus dem benachbarten Frankreich, rücken näher an die Bühne und sichern sich Plätze in den ersten Reihen.
Unter dem Banner „Pirates & Kings“ stehen mit Warkings und Visions Of Atlantis, zwei Schwergewichte des Power und Symphonic Metal bereit, die Garage an diesem Abend zu erobern. Wenn zwei der derzeit stärksten Kräfte des Symphonic und Power Metal gemeinsame Sache machen, bleibt kein Stein auf dem anderen.
Induction übernehmen den Opener-Slot, legen ohne Umwege los und zeigen, dass sie mehr sind als nur Warm-up sind. Der erste Schlagzeugbeat sitzt, die Gitarren greifen, und sofort ist Bewegung im Publikum. Der melodische Power Metal der Band funktioniert direkt, treibt nach vorne und sorgt dafür, dass die Garage von Beginn an wach ist. Mit schnellem, melodischem Power Metal und ordentlich Druck von der Bühne holen sie die ersten Fäuste nach oben. Ein Opener, der nicht auf Anlaufzeit setzt, sondern Präsenz zeigt und den Abend energisch eröffnet.
Beim Umbau dann wird schnell klar, dass Visions Of Atlantis großen Wert auf Atmosphäre legen. Die Bühne wirkt nach kurzer Zeit wie das Deck eines Schiffes kurz vor dem Auslaufen. Dieses Bild greift das Piratenkonzept der Band konsequent auf und Visions Of Atlantis übernehmen das Ruder während das Lichtdesign die Szenerie in wechselnde Blau- und Grüntöne hüllt. Fast so, als würde sich die Halle in eine nächtliche Seelandschaft verwandeln. Dezenter Nebel verstärkt den Eindruck von Gischt und Bewegung. Symphonic Metal trifft auf Piratenromantik, harte Riffs auf große Melodien. Das Zusammenspiel der beiden markanten Stimmen von Clementine Delauney und Michele Guaitoli sorgen für Gänsehaut. Während sich epische Refrains durch die Halle schieben und von der Crowd lautstark zurückgeworfen werden, wie z.B. bei „Legions of the Sea“, „Melancholy Angel“ und spätestens bei den hymnischen Nummern wie „Clocks“ gibt es kein Halten mehr.. Es zünden immer wieder Pyros, die die Bühne in grelles Licht und Hitze tauchen, was die wuchtigen Momente unterstreicht. Außerdem herrscht eine extreme Publikumsnähe. Die Energie schwappt permanent zwischen Bühne und Crowd hin und her. Alle sind lautstark und textsicher dabei. und feiern jede Nuance dieses Sets. Von der Seite des Bühnenrands aus gesehen wirkt das Ganze fast surreal. Während auf der Bühne gesungen, gespielt und gestikuliert wird, antwortet die Crowd wie aus einem Guss.
Kaum ist der Applaus abgeklungen, fallen die ersten Schatten auf die Bühne. Kanonen und Fahnen verschwinden. Warkings betreten als Headliner die Bühne und fahren direkt alles auf, was das Power-Metal-Herz höher schlagen lässt. Der Bühnenaufbau wirkt wie ein Schlachtfeld, dominiert von martialischen Symbolen, Masken und einer bedrohlichen Präsenz. Jetzt spürt man, dass Warkings übernehmen mit „Ghengis Khan“ verwandeln sie die Garage direkt in einen brennenden Hexenkessel. Vor allem die Pyro-Elemente von Anfang an setzen starke Akzente. Immer wieder schießen Flammenstöße in die Höhe, perfekt getimt zu Breaks und Refrains. Die Hitze müsste selbst in den hinteren Reihen spürbar sein. All das verleiht der Show eine zusätzliche physische Wucht. Pyro wird hier nicht als Gimmick eingesetzt, sondern als fester Bestandteil der Inszenierung; sogar das Schlagzeug brennt. Auch hier ist die Interaktion mit dem Publikum extrem hoch. The Tribune führt die Garage wie ein Feldherr, animiert permanent, fordert Mitsingen, Klatschen und Schlachtrufe. Dann schickt er eine Frau aus dem Publikum kurzerhand mit einem Reifenschlauch über die Menge nach hinten mit der Bitte ein Getränk zu holen und wenig später kommt sie auf demselben Weg mit Getränk in der Hand wieder zurück nach vorn gesurft. Die Crowd lacht, hilft mit, hebt sie weiter, und selbst von der Bühne aus wird das Spektakel grinsend registriert. Ein Moment, der perfekt zeigt, wie ausgelassen, respektvoll und gut gelaunt die Stimmung an diesem Abend ist.
Etwas später dann holt The Tribune plötzlich zwei kleine Mädchen aus dem Publikum auf die Bühne. Sichtlich schüchtern stehen sie dort, während er sie als den Metal-Nachwuchs feiert, nach ihren Namen fragt und der Garage klarmacht, dass genau solche Momente es sind, die ein Leben lang hängen bleiben sollen. Er fordert das Publikum auf, den beiden etwas Unvergessliches zu schenken – für jetzt und für viele Jahre. Er brüllt ins Mikrofon: „We will fight!“ Die Halle explodiert sofort: „We will fight, we will fight, we will fight, fight, fight!“ Die Schlachtrufe rollen durch die Garage, Fäuste fliegen, die Energie kocht. Anschließend beugt sich der Frontman zu den beiden Mädchen herunter und fragt, ob sie zufrieden seien mit der Reaktion. Der kleine Haken daran: Die beiden sind Französinnen und haben kein Wort verstanden. Das Gelächter im Publikum ist entsprechend groß, die Situation herrlich ehrlich und charmant. Am Ende ist aber klar: Auch ohne Worte haben die beiden genau gespürt, was hier gerade passiert ist und alle haben diesen Moment mehr als geliefert.
Ein entscheidender Faktor für die Wucht der aktuellen Warkings-Show ist Morgana le Fay, die sich längst als permanente zweite Stimme der Band etabliert hat. Ihr Gesang ergänzt die rohe Power von The Tribune nicht nur, sondern erweitert sie spürbar. In den Refrains sorgt sie für zusätzliche Tiefe und Größe, verleiht den Songs eine fast hymnische Dramatik und hebt das Set auf ein neues Level.
Gegen Ende der Show folgt schließlich der Moment, der den Gedanken hinter „Pirates & Kings“ perfekt auf den Punkt bringt. Warkings holen die Sänger von Visions Of Atlantis mit auf die Bühne, und für einen Augenblick stehen Piraten und Könige gemeinsam im Scheinwerferlicht. Stimmen vereinen sich, die Crowd rastet aus, und die Garage feiert dieses Aufeinandertreffen lautstark ab.
Getragen wird der Abend von einer leidenschaftlichen, internationalen Crowd – laut und jederzeit Teil der Show. Ein Konzert, das nicht nur episch ist, sondern genau das zeigt, was die Szene ausmacht: Gemeinschaft, Emotion und pure Live-Energie.