Fritzlar rockt hart: Zehnte Auflage vom Rock am Stück heizt ordentlich ein

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Zum zehnten Mal hat sich das Rock am Stück Festival in Geismar (bei Fritzlar) gejährt. Zur Jubiläumsfeier hat der Veranstalter sich Top-Acts wie Doro Pesch, Accept, Iced Earth und Combichrist eingeladen, um den Metal-Fans gebührend einzuheizen. Ein absolutes Hammer-Programm auf zwei Open-Air-Bühnen bei strahlendem Sonnenschein und bester Laune bot uns ein Festival-Feeling wie es sein soll.

KrashKarma 2018

KrashKarma

Als wir am Donnerstag die Landstraße zum Rock am Stück Gelände entlang fahren, brennt die Sonne über Fritzlar. Vom Campground dröhnen vereinzelt ein paar Lautsprecher, die jedoch vom Sound der „Beergarden-Stage“ überschallt werden. Dort läuft gerade der Band-Contest dem Ende zu. In der untergehenden Sonne treten danach KrashKarma auf, ein brachiales Duo um WIZO-Gitarrist Ralf und seiner hübschen, singenden Schlagzeugerin Nicole. Während der Suche nach einem Snack, bei der wir die Qual der Wahl haben, begegnen wir dem Dunklen Parabelritter Alexander an seinem Von Tiling Stand, wo nachhaltige Produkte fair gehandelt angeboten werden. Eigentlich sollte jetzt Killus auf der kleinen Bühne stehen – die große Hauptbühne wird erst am folgenden Tag bespielt. Doch wegen eines familiären Zwischenfalls musste die Band kurzfristig absagen. Zu unserer Überraschung sehen wir stattdessen mit exklusiver Stelist die US-Amerikaner von Iced Earth, die morgen wie geplant nochmal die Mainstage rocken werden. Alleine schon das spontane Einspringen spricht für die Band, doch die Leidenschaft, welche die Jungs an den Tag legen, ehrt sie umso mehr. Vor dem Headliner rocken dann die Nitrogods. Das Trio begeistern sowohl mit groovigem Rock‘n‘Roll als auch mit lässiger Bühnenshow. Mit Drummer Klaus an der Bierflasche beweisen sie, dass sie live ohne Playback auskommen und gekonnt handgemachte Musik spielen. Mit der auffrischenden Dämmerung wird es Zeit, meinen Pulli auszupacken und zu den mittelalterlichen Klängen von Cultus Ferox, welche den ersten Tag beschließen, in die Nacht zu tanzen.

Michael Döring (Veranstalter)

Michael Döring (Veranstalter)

Tag Zwei beim Rock am Stück startet mit genauso viel Sonne, wie das Festival begonnen hat. „Wir haben richtig Bock“ schreit der Frontmann von TonTourismus, die auf der Hauptbühne eröffnen. Aber Recht hat er – wir haben auch richtig Lust auf diesen und den kommenden Tag. Bock hat auch der (geschätzt 10 Jahre alte) Junge auf der Biergartenbühne, der sich kurzerhand seine Gitarre schnappt und zunächst ganz alleine bekannte Metalriffs spielt, die in kurzer Zeit die ersten Fans anlocken. Umbaupause gekonnt überbrückt – weiter geht’s mit Last Jeton. Saskia und ihre Band paaren in ihren Sound abwechslungsreich, schnelle Riffs mit der gewaltigen Stimme der Energie geladenen Frontfrau. Da kommt so mancher Metalhead in schwitzen, nicht nur wegen der Hitze. Aber vielleicht auch gerade wegen dem bisher super Festivalwetter und den erfrischenden Bands versammeln sich immer weitere begeisterte Besucher auf dem Gelände im Wald. So dürfen wir mit einer wachsender Fanschar zu den harten Klängen von Squealer lauschen und die Haare schwingen. Zur Abkühlung besuche ich den Bierstand oder gönne mir ein großes, regional hergestelltes Eis. Doch die Abkühlung hält nur kurz. Denn die Deutschrocker Artefuckt heizen ihren zahlreich angereisten Fans mächtig ein. Für alle, denen es dabei noch nicht schweißtreibend genug ist, wartet auf dem bebenden Rasen der allseits beliebte Moshpit. Der tobt auch weiter bei Goitzsche Front, die mit ihrem Deutschrock begeistern und polarisieren. Der Großteil der RaS-Menge feiert die Band und ihre Songs, die lautstark zum Mitsingen einladen. Mit unserem Abendessen in der Hand – in Form eines leckeren Pulled Pork Burgers sowie eines kühlen Bieres – lassen wir uns im Anschluss von Tankard bespaßen. Die Thrasher lassen das Stimmungsbarometer aber auch den Promillepegel nochmal gut nach oben steigen, was stellenweise viel Bewegung in die Menge bringt, getreu ihrem Motto „die with a beer in your hand“. Mit etwas Verzögerung sehen wir in der anbrechenden Nacht Iced Earth, zum zweiten Mal aber dieses Mal auf der Hauptbühne mit ihrem geplanten und mitreißenden Gig. Inzwischen ist der Platz vor der großen Bühne mit Steg längst komplett gefüllt mit ausgelassen und friedlich feiernden Metalfans. Diese freuen sich im Anschluss ebenso auf ihre Metal-Queen, die wahrlich ein tolles Metal-Feuerwerk abrennt. Doro, energisch wie eh und je, überzeugt durch fannahe Bühnenpräsenz, wobei eine Setlist aus alten Hits wie „All we are“ und neue Lieder die Nacht auf dem ausverkauften Rock am Stück-Gelände zum Beben brachte.

Combichrist

Am dritten Tag geht es nach einem späten Frühstück wieder zum „holy ground“ nach Geismar. Heute ist etwas bewölkt, was die mittäglichen Temperaturen angenehm warm hält. Als Opener bläst Devilusion ihre Riffs über den angrenzenden Campingplatz und weckt wohl auch den letzten Langschläfer mit dröhnendem Schädel. Ebenso bieten die Local Bastards denjenigen keine Regenerationsmöglichkeit. Denn die vier Deutschrocker erfreuen uns mit knallharten Texten sowie Musik, die den berühmten Funken überspringen lässt. Ins Auge springt – vor allem den Testosteron geladenen Zeitgenossen – die Sängerin der folgenden schwedischen Kombo, die auch mit deutschsprachigen Liedern überzeugen. The Headlines unterhalten uns bestens und ziehen schon viele Besucher vor die Bühne. Liegt es an der Mischung von Punkrock und der Jennifer Rostock ähnlichen Frontfrau? Egal, es macht Spaß. Doch jetzt ist es für mich erstmal Zeit, mich an den leckeren Ständen durchzufuttern, um gleich drauf mit Diablo Blvd. weiter abzurocken. Dunkel groovend-rockig in zeitweise praller Sonne organisiert die Band auch mal eine Wall of Death, wonach der Sänger, der komplett in langem schwarzen Denim gekleidet ist, schwitzend feststellen muss, das „worst outfit for this weather“ gewählt zu haben. Was danach über Rock am Stück überrollt, ist nichts Geringeres als der brachiale „Partybeat“ von Combichrist. Gepflegter Abriss? Abriss absolut – gepflegt auf keinen Fall. Die skurrilen Kerle um Andy LaPlegua zerlegen mit ihren harten Elektrobeats sowohl Bühne als auch ihr Publikum. Eine skurril-schöne Show, die keinen von uns still stehen lässt. Nach einer kurzen Verschnaufpause betreten Unantastbar im warmen Abendlicht das Podium. Die Punkrocker haben offensichtlich eine beachtliche Fanschar im Schlepptau, die sich im staubenden Acker auslassen. Auch die Headlines-Sängerin gastiert während des Gigs der südtiroler Jungs. „Restless and wild“ geht es schließlich bei Accept zu. Der abschließende Headliner zieht nochmal alle Besucher des ausverkauften Rock am Stück Festivals vor die Bühne, um das grandiose Open Air Festival bei Fritzlar gebührend ausklingen zu lassen.

Das zehnjährige Jubiläum – und die bisher größte Rock am Stück Ausgabe – war unser erster aber bestimmt nicht unser letzter Besuch. Wir bedanken uns bei den Veranstaltern Michael Döring und Torsten Schmidt, die schon am ersten Tag ihre Stimmen zerfeiert haben, und Tilo sowie allen Helfern für die wunderbare Metaltage in familiärer Atmosphäre. Wer Rock am Stück (noch) nicht kennt, sollte sich das 11. RaS nicht entgehen lassen, wenn Hämatom, Pyogenesis und Ost+Front das kleine Waldstück in Nordhessen musikalisch abmähen.

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