Barfuß, bayrisch, tanzbar: LaBrassBanda entfachen Polka-Party in Saarbrücken

Barfuß, bayrisch, tanzbar: LaBrassBanda entfachen Polka-Party in Saarbrücken
LaBrassBanda - 01.03.2026 Garage Saarbrücken

Wenn sieben barfüßige Bayern eine Halle eskalieren lassen, dann ist das kontrollierter Wahnsinn aus allen Ventilen. LaBrassBanda gastierten am 1. März 2026 im Rahmen ihrer „Polka Party Club Tour“ in der Garage Saarbrücken und versetzten ihre Fans für zwei Stunden in ein Polka-Bierzelt-Fieber, das unentwegt zwischen Chiemgau und Copacabana pendelte.

Eine Vorband? Brauchen die Chiemgauer nicht, und schon nach wenigen Takten des Openers gibt es für viele kein Halten mehr. „Wir sind da, um Liebe in die Welt zu bringen“, ruft Frontmann Stefan Dettl mit einem Augenzwinkern der gut gefüllten Halle entgegen. Der charakteristische Ska-Brass-Sound der Band, diese unwiderstehliche Mischung aus Blaskapellen-Tradition und brasilianischer Leichtigkeit, fährt unmittelbar in Ohr, Bauch und Beine. Was folgt, ist ein kollektives Enthemmungsprogramm: Mit einer kleinen Bewegungsübung, die die Band nach eigenen Angaben von brasilianischen Musikern gelernt hat, bricht Dettl die Zurückhaltung des Publikums. Dann ist Zeit zum „Danz“.

Alle Bandmitglieder stehen ohne Schuhe auf der Bühne, und das nicht nur beim passenden Song „Nackert“, sondern während des gesamten zweistündigen Sets. Diese Erdung, dieses Verwurzeltsein im wahrsten Sinne des Wortes, überträgt sich auf die Performance. LaBrassBanda präsentieren sich als authentische Truppe, die auch nach 19 Jahren Bühnenerfahrung noch spürbare Freude am gemeinsamen Musizieren hat. „Das Musikerleben mit dem Publikum macht einfach so viel Spaß“, erklärt Dettl zwischen den Songs und nimmt sich die Zeit, auch die Crew als „wesentlichen Bestandteil“ vorzustellen.

Das Publikum in der Garage Saarbrücken zeigt die bemerkenswerte Bandbreite der LaBrassBanda-Fangemeinde: Langjährige Anhänger, die der Band seit fast zwei Jahrzehnten die Treue halten, stehen neben Ersthörern. Von jung bis alt klatscht und springt man ausgelassen zum Takt. Zwischen den Songs amüsiert man sich an den charmanten Anekdoten aus der Bandgeschichte, die von furiosen Erfahrungen beim ESC-Vorentscheid bis hin zur intimen Selbsterfahrung mit der Tuba im Busch von Australien reichen – die tiefergehende Message über Freiheit, Authentizität und die verbindende Kraft der Musik kommt an.

Dann passiert, was bei wohl keiner anderen Blaskapelle möglich wäre: Pogo. Ausdrücklich erwünscht. Die Band macht „Alarm“, das bayrisch-brasilianische Feeling kocht wieder hoch, und mittendrin überrascht Neuzugang Micha mit einem ausgiebigen Blues-Rock-Gitarrensolo – ein willkommener Stilbruch, der zeigt, dass sich LaBrassBanda auch nach Jahren nicht auf ihrer erfolgreichen Formel ausruhen. Mit schwungvollem Ska-Rhythmus geht es weiter, „Scheena Dog“ beschert dem Publikum genau das, was der Titel verspricht. Als das Ende naht, packt die Band noch einen emotionalen Moment aus: „Ujemama“, entstanden, um Trompeter Jörg die Angst zu nehmen, wenn er nachts allein durch den Wald nach Hause musste. Das dazugehörige Trompetensolo von Jörg selbst inklusive. „Geht noch einer?“ Die rhetorische Frage wird mit „Eisbär“ beantwortet, bevor sich LaBrassBanda mit einem „Bayrischen Techno“ und dem unvermeidlichen „Prosit der Gemütlichkeit“ verabschieden.

LaBrassBanda beweisen in der Garage Saarbrücken einmal mehr, warum sie in ihrer Nische ganz weit vorne sind. Sie feiern bayrische Lebensart, ohne ins Klischee abzurutschen, und sie zeigen, dass Blasmusik alles sein kann – außer langweilig.

Andreas Schieler

Leitung, Redakteur und Fotograf