Red Hot Chili Peppers in Frankfurt: Spektakulär, hot & wild

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Mit ihrer aktuellen Scheibe „The Getaway“ touren die RED HOT CHILI PEPPERS gerade über den Globus. In der bis zum Bersten gefüllten Festhalle Frankfurt hat die kalifornische Alternative-Rockband am 19.11.2016 ein energiegeladenes Lichtspektakel dargeboten und gezeigt, dass sie nach über 30 Jahren noch immer „hot“ sind.

Hatte man sich erst durch die gewaltige Menschenmenge bei der Einlasskontrolle gewühlt, bot sich den etwa 13500 Besuchern eine faszinierende Bühnenshow in der Festhalle, deren Kartenkontingent schon vor Monaten innerhalb weniger Stunden vergriffen war. Den Anfang machte die Indie-Band DEERHOOF, welche mit ihrer japanischen Sängerin sowie ihrem wild dreschenden Drummer zwar optisch etwas zu bieten hatte, jedoch mit ihrer stark experimentellen musikalischen Darbietung nur wenige überzeugen konnte. Nach der Umbaupause ging dann plötzlich das Licht aus. Im spärlichen Spotlight betraten drei athletische Männer die Bühne, um zu ihren Instrumenten zu greifen. Schlagzeuger Chad Smith im blauen Overall, Bassist Michael „Flea“ Balzary in bunter Flickenhose und das jüngste Mitglied Gitarrist Josh Klinghoffer in Baggyhose begannen sich in ihrer einleitenden Jam-Session wahrlich in Trance zu spielen. Sowohl der dichtgedrängte Innenraum als auch die gefüllten Ränge grölten. Und fast unbemerkt tänzelte nach etwa zehn Minuten Frontmann Anthonys Kiedis in schwarzen Shorts über einer bunter Leggings aus dem Hintergrund auf die Bühne, um gleich drauf mit „Can’t Stop“ einen fulminanten Konzertabend zu starten.

Das generationenübergreifende Publikum feierte die jung gebliebenen Männer. Bis auf Klinghoffer sind alle immerhin über 50, aber von Altersmüdigkeit ist bei den RED HOT CHILI PEPPERS an diesem Abend keine Spur zu sehen. Smith drischt wie wild auf seine Drums ein, Flea springt wie ein Flummi über die Bretter und Kiedis zeigt sich körperlich sowie stimmlich in Topform. In der ersten Reihe steht strahlend ein Junge mit einem Pappschild, auf dem „I want your shirt“ steht. Selbstverständlich zog später der hotte Frontmann mit dem Oberlippenbart sein Shirt aus und zeigte seinen durchtrainierten Körper. rhcp_ffm2016_20Eine feste Setlist gab es offensichtlich nicht, was dazu führt, dass die vier immer mal wieder kurz die Köpfe zusammensteckten, um sich über das nächste Lied aus ihrem großen Fundus abzustimmen. So folgte eine bunte Auswahl an vielen alten aber auch wenigen neuen Lieder vom Album. Mit kraftvoller Stimme schmetterte Kiedis Hits wie „By The Way“, „Otherside“ und „Snow“, wozu Flea unermüdlich vom einen Ende der Bühne zum anderen springt. Die Energie der Band überträgt sich teilweise aufs Publikum. Während einige damit beschäftigt waren, ein solch großartiges Live-Spektakel lieber durch die Mattscheibe ihre Smartphones zu beobachten, sorgten im Innenraum einige Fans für richtig Bewegung in der Masse. Die Festhalle vibrierte unter den harten Klängen, indessen waren auf den Videoleinwänden kurze Videoclips von Kiedis, Flea, Smith und Klinghoffer zu sehen. Dazwischen gab es mit „Soul To Squeeze“ oder „Don’t Forget Me“ auch ruhigere Passagen – Kuscheleinlagen für die weiblichen Fans. Die sensationelle musikalische Darbietung wurde stets untermalt von mehreren hunderten mobiler Lichtröhren an der Hallendecke, die mal durcheinander mal in Wellenformation sowohl einzeln, aber auch in ganzen Segmenten in Hochgeschwindigkeit herab in Richtung Konzertbesucher stürzten und gleich wieder hinauf sausten. Gleichzeitig zeigten die riesigen Projektionsflächen permanent psychedelisch verlaufende Farben, Formen und Muster oder kurze Videoclips.

Nach etwa 90 Minunten erklang das Intro des letzten Songs „Give It Away“, der die Fankfurter Festhalle nochmal richtig euphorisierte. Während die Fans tanzten und grölten, rennen die Aktivisten auf der Bühne wie wild umher. Wer an diesem Abend auf die Klassiker „Californication“ oder „Under The Bridge“ setzte, wartete vergebens. Dennoch war es ein großartiger Abend mit optischen und musikalischen Highlights. Die RED HOT CHILI PEPPERS  bewiesen einduckvoll, dass sie noch immer zu den ganz Großen im Showbusiness gehören.

Setlist: Intro Jam / Can’t Stop / Otherside / Snow (Hey Oh) / Dark Necessities / Wet Sand / Me And My Friends / Go Robot / Parallel Universe / I Feel You / Sick Love / Don’t Forget Me / The Getaway / Higher Ground / Soul To Squeeze / By The Way // Goodbye Angels / Give It Away

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