Jennifer Rostock in Wiesbaden – Ein Best-Of-Konzert zum Worst-Of-Album

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Es gibt einen Grund zum Feiern! Jennifer Rostock rundet tatsächlich die erste Dekade, was anno 2007 wohl nicht einmal wohlwollende Wohlwoller aus der Glaskugel orakelt hätten. Geschweige denn die Band selbst. Daher hat es am 06.04.2018 im Schlachthof Wiesbaden eine ausgelassene Geburtstagsfete gegeben. Und farewell, denn es wird dies für längere Zeit erst einmal die letzte Tour der Band sein, wie sie auch vor Ort hat verlautbaren lassen. Also eine der letzten Chancen bis auf Unbestimmt, sie noch einmal gebührend zu feiern!

Mit von der Party sind die Blackout Problems, eine Alternativ-Rockband, die im ausverkauftem Schlachthof energisch den Abend eröffnen. Die vier jungen Männer spielen eher selten vor einer so großen Menge, wie die Sänger berichtet. Deswegen wollen es die Münchner “intimer” angehen. Kaum gesagt steigt der blondierte Frontmann samt Gitarre und Mikrofonständer weit in die grölende Menge hinein, um mit den begeisterten Fans zu rocken. Die Songs kommen kraftvoll daher, vom Stil her manchmal eher Punkrock das andere mal wieder mehr gediegener Indie-Rock. Etwa 30 Minuten versucht das Quartett die Menge anzuheizen, was stellenweise auch gut gelingt. Mit einem beherzten Satz des Sängers vom Bühnenrand während des letzten Liedes verabschiedet sich die Band unter gebührendem Beifall und macht die Bühne den heiß ersehnten Headliner.

Dann fällt der große Vorhang, auf dem zuvor ein bandhistorischer Rückblick bis ins Jahr 2008 gezeigt wurde. Jennifer Rostock gehen gleich in die Vollen. In neon-grünen Fellmantel und im Body darunter wirbelt die Frontfrau lasziv über die Bühne. Die Stimmung ist vom ersten Ton ganz weit oben, so dass Jennifer nach eigenen Worten “schon ganz feucht” ist – muss wohl schweißtreibend heiß auf der Bühne sein. Bei “Du willst mir an die Wäsche“ fällt dann schließlich ihr viel zu warmer Mantel und die Sängerin enthüllt ihren grün-weißen Body im US-glamour Stil. Musikalisch bringen die Berliner ein Greatest Hits-Repertoire vom Feinsten zu Gehör, eben all das, was ein sechs Alben umfassender Backkatalog anbietet. Dazu gesellen sich selbstredend auch die größten Hits von ihrem neuen Album, das ironisch passend betitelt ist: Ein Best-Of-Konzert zum Worst-Of-Album!

Bei so viel Nostalgie muss natürlich die Tradition der Band gewahrt werden. So trinken Jennifer Rostock und ihre Jungs nach jedem Zweiten bis dritten Lied einen Schnaps oder Jägermeister. Na dann, Prost! Nachdem wieder mal die Gläser geleert sind, das Outfit der kessen Frontfrau erneut gewechselt und etwas Pyroshow abgefackelt ist, legt die Band einen Gang zurück, um auf vielfachen Wunsch ihre Akustik-Einlage zu präsentieren. Aber das sollte dann auch als Verschnaufpause reichen. Denn im neuen – diesmal schwarzen knappen Outfit geht es sowohl rockig als auch “Taktlos” weiter. Es folgt ein buntes Lieder-Potpourri aus der langen Bandgeschichte, gespickt mit kleinen Anekdoten und viele Witzeleien. Jennifer ist bei ihrem Best-of-Auftritt zum Worst-Of-Album sehr präsent und in bester Laune. Eine Präsenz, die ansteckt. Und wahrlich, der Funke lodert zum Stimmungsfeuerk auf. Zwischendurch fordert sie eine Wall of Death ein, die im Anschluss von zwei Circlepits gefolgt wird, in deren Mitte je ein Gitarrist steht, um den die feierlustige Menge kreist. Das anschließende “Nicht von hier” ist eines von vielen Liedern, das soziokulturelle Probleme behandelt. Dabei nimmt die Sängerin wie gewohnt kein Blatt vor den Mund. Mit einem weinenden Auge vorausblickend kündigt sie dann die anstehende Pause – für andere “große Projekte” – an, aber “Wir waren hier” ist die Aufforderung, den Moment jetzt zu leben und vor allem zu genießen. Zur Zugabe begeistert Jennifer mit “Hengstin” und danach mit einem Rundgang im Bett durchs Publikum. Schließlich schallt “Alles ist vorbei” durch den feiernden Schlachthof und nach “Guten alten Zeiten” ist die heiße, kraftvolle Show vorbei. Mit einem Transparent, auf dem sich die Musiker für zehn Jahre Treue bei ihren Fans bedanken, verlassen Jennifer Rostock schließlich die Halle in Wiesbaden.

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