Frankfurt: Airbourne Party in Hangar B

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Direkt aus der Hölle sind sie ausgebrochen, die australischen Hardrocker Airbourne, und stellen an diesem letzten Abend ihrer Deutschlandtour eindrucksvoll unter Beweis, dass sie nicht im Schatten anderer Bands verweilen müssen. Sie gastieren an diesem nasskalten Mittwoch im legendären Frankfurter Musikklub Batschkapp und haben ein großartiges Package mitgebracht.

Die erste Band Desecrator präsentiert sich traditionell in der engen Schwarzen und heimatortstreu mit entblößtem Oberkörper. Selbst der Roadie erscheint textilfrei. Die australischen Thrash- n’ Speedmetaller bedienen gekonnt ihr Genre. Metallica und Death Angel Anleihen, Double Bass Attacken und Sänger Riley Strong mit eigenwilliger Hare Krishna Moshfrisur auf dem Kopf. Letzterer treibt das Publikum an und bleibt nicht die einzige Sehenswürdigkeit auf der Bühne des gut besuchten Frankfurter Kultclubs. Ein Känguru entert die Bühne, Airbourne Neuzugang Harri Harrison unterstützt das Melbourner Quartett bei einem energiegeladenen Cover von „Born To Be Wild“ und macht den Auftritt zu einem perfekten Aufheizprogramm für den Top Act des Abends.

Da eckt das junge Trio Kaiser Franz Josef mit ihrem unnahbar-lässigen Auftreten zunächst fast ein wenig an, obwohl die Rezeptur stimmt: schwer dräuender Siebziger Rock mit Stoner- und Bluesrockanleihen und Riffs, die auf die Magengegend zielen- und schließlich auch treffen. Denn der ambitionierte Titel des neuen Albums „Make Rock Great Again“ ist programmatisch zu verstehen. Die Stimme des androgynen Sängers Sham steigt bisweilen in schwindelnde Höhen und KFJs Version von Led Zeppelins „Whole Lotta Love“ überzeugt letztendlich das klassische Rockpublikum des Abends, so dass das Trio unter „Zugabe“-Rufen die Bühne verlässt.

Und dann. Terminator Filmmusik. Flutlicht von Marshall-Verstärkertürmen herab leitet den mit Spannung erwarteten Auftritt von Airbourne ein. Und die heben mit „Ready to Rock“ sofort ab und wir werden Zeuge einer energetischen Rockshow, die mit Gitarrenwechsel und Flughafenlightshow schnell die Schallmauer durchbricht. In breitem Australian English peitscht Sänger/Gitarrist Joel O’ Keeffe die Menge auf und die Band rockt mit unbändiger Energie, welche sich mit jeder Sekunde zu steigern scheint und dabei zügelloses Feiern mit musikalischer Professionalität verschmelzen lässt. Ob das wie AC/DC klingt? Auf jeden Fall, aber es wirkt frischer, moderner und vor allem rockt es! Man verneigt sich zwar vor seinen Vorbildern, hat aber keinen Grund sich hinter ihnen zu verstecken.

Eine nicht abreißende Energie scheint auch das Publikum zu besitzen: Schon zu Beginn des Konzerts drängen die Fans nach vorne und die Security hat allerhand damit zu tun die Crowdsurfer zu versorgen, die wiederrum nach den Bierbechern hechten, welche O’Keeffe sichtlich amüsiert von der Bühne aus in die Menge wirft. Wenig später lässt er sich zu „Girls In Black“ auf den Schultern durchs Publikum tragen und hämmert sich (nicht zum letzten Mal an diesem Abend) eine Bierdose am Kopf auf.

Nur an einer Stelle werden die Motoren für ein paar Augenblicke gedrosselt. Sirenen, von Schlagzeuger Ryan O’ Keeffe bedient, eröffnen den Song „Live it up“, und die Band zollt einem weiteren Vorbild der Band Tribut: Lemmy Kilmister. Ein tragbarer Tresen, eine Art Schrein mit Motörhead-Flagge, auf welcher der legendäre Name prangt, wird auf die Bühne getragen. Der Sänger mischt fünf großzügig bemessene Jacky-Cola, welche die Jungs mit den Worten „For Lemmy“ kippen: „All for one and one for all“- Ein Toast gen Himmel oder eher gen Hölle? Und schon werden die Drinks im Publikum verteilt und die Show nimmt wieder Fahrt auf.

Es folgen weitere Bierduschen, als sei das Bad in der Menge zuvor nicht schon genug gewesen, und Showeinlagen wie z.B. ein imposanter sich steigernder Tanz um das letzte Plektrum am Mikrofonständer, bevor die Band zu „Runnin’ Wild“ mit fulminanten Feuerwerk aus Licht und Gitarrenschredder die Bühne verlässt. Die Menge dankt es ihnen mit einem Meer aus Teufelshörnern und lautem Jubel. Dieser Abend dürfte kaum jemand enttäuscht zurückgelassen haben. Rock n’ Roll is more alive than ever!

Photo: Andreas

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